Originaltitel: QU’EST-CE QU’ON A ENCORE FAIT AU BON DIEU?

F 2019, 99 min
FSK 0
Verleih: Neue Visionen

Genre: Komödie

Darsteller: Christian Clavier, Chantal Lauby, Medi Sadoun, Frédéric Chau

Regie: Philippe de Chauveron

Kinostart: 04.04.19

10 Bewertungen

Monsieur Claude 2

Nicht ohne unsere Töchter!

Es stimmt ja: Der frühere Freudenruf „Toll, eine französische Komödie!“ sackte mittlerweile, manche qualitative und atmosphärische Störung später, zu vorsichtiger Distanz zusammen: „Ach, eine französische Komödie ...“ Richtig ist allerdings ebenfalls, daß nicht selten Kritiker sämtlicher Zuständigkeiten in Angst leben, beim Lachen erwischt beziehungsweise des unzureichend propagierten intellektuellen Anspruchs überführt zu werden. Mustergültig soll daher das Dargebotene sein, gedankenschwer, moralisch und kaum dazu geeignet, einfach nach einem anstrengenden Tag abzuschalten. Kombiniert schlechte Karten für MONSIEUR CLAUDE 2.

Doch die verteilt er bravourös, weniger botschaftend als noch im Vorgänger, dafür um einiges entspannter. Was nun nicht zwangsläufig in übereinstimmender Art für Claude und Marie Verneuil zutrifft, das kulturell gebeutelte Paar hat gerade recht pflichtgemäß den Geburtsländern ihrer Schwiegersöhne Besuche abgestattet. Strapaziös war’s, tausendjährige Eier, Bruthitze, Sicherheitsbedenken, mon dieu! Endlich wieder zu Hause angekommen (der monatelange Bahnstreik trägt sofort entscheidend zum Heimatgefühl bei), schocken alle vier Töchter mit der Information, auswandern zu wollen. Pulsregulierung erfolgt, es reift ein Plan: den vom Fernweh heimgesuchten Damen Frankreich schmackhaft und heimelig machen, engagierte Schauspieler sowie reichlich fließende Bestechungsgelder inklusive ...

Schärft Marie ihrem Gatten ein, „immer schön politisch korrekt“ zu bleiben, harrt das exakte Gegenteil selbstverständlich direkt ums Gedankeneck, gottlob: Einmal mehr bedrohen diverse dicke Bretter das ängstlich-verengte Verneuilsche Weltbild, beispielsweise gilt es, einem vor den Taliban geflüchteten Lehrer genug Vertrauen für eine Anstellung als Gärtner zu schenken. Da punktet, zugegeben, nie Übermaß an Subtilität, aber im Kern trifft’s den Stammtischnagel wuchtig auf dessen sorgenvoll geblähten Kopf. Und erfährt aus Gerechtigkeitsgründen sogleich einen relativierenden Knuff von der anderen Seite, etwa dann, wenn Vietnamese Chao selbst bei der Fachberatung im (wahrlich gigantisch dimensionierten) Waffenladen rassistische Verbalübergriffe wittert. Derweil freut sich seine Gattin ganz doll übers Verkaufen ihres Gemäldes „Die gehängte Alte“, und man möchte losgrölen. Hoch erhobenen Fußes, weil’s derart flach kommt, wundervoll. Klar, die vormals angestoßene Haupthandlung schlittert da teils schon ziemlich ignoriert in den Hintergrund, auch eine bevorstehende Hochzeit zweier Frauen fordert wichtigen emotionalen Gestaltungsraum.

So flaniert MONSIEUR CLAUDE 2 eher von Station zu Station und reicht hübsch arrangierte Extras: der seriensüchtige Pfarrer, ein selbständig auf Gassirunde gehender Hund, Maries Begeisterung für Digitaltechnik und Angst vor töchterlichem Ghosting … Der erneute Rundumschlag schleudert hier den wohl unvermeidlichen Trump-Joke raus, schreckt dort vorm französischen Vorzeigekulturgutrepresäntanten Omar Sy nicht zurück, watscht locker Ernährungshysterie ab, bezieht deutliche Position, ohne deswegen furchtsam auf Burka-Gags zu verzichten, und huldigt wie nebenbei dem nicht bloß schönen, sondern im Regelfall außerdem eindeutig stärkeren Geschlecht. Um die letztliche Nummernrevue dabei keinem kleinteiligen Stückwerkcharakter zu opfern, schimmert rotfädig stets die Verneigung vor familiärer Verbundenheit durch. Und wirkt angenehm ehrlich.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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