Originaltitel: NO COUNTRY FOR OLD MEN

USA 2007, 122 min
FSK 16
Verleih: Universal

Genre: Killer, Drama

Darsteller: Javier Bardem, Tommy Lee Jones, Josh Brolin, Woody Harrelson

Regie: Joel & Ethan Coen

Kinostart: 28.02.08

2 Bewertungen

No Country For Old Men

Ein kräftiges Poem über den Verfall der Werte

Das Leben da draußen ist ein ganz hartes, gemeint ist die Provinz im amerikanischen Südwesten, wo Antilopenjäger lieber bei ihren Leisten blieben. Oder wenn man sich schon aus einem Haufen martialisch dahingeraffter Drogendealer einen Koffer mit gut 2 Millionen Dollar in fein gebündelten Scheinen sichert, dann sollte man doch über so wenig schlechtes Gewissen verfügen und eben nicht an den Ort des Grauens zurückkehren, etwa um einem verdurstenden, angeschossenen Mexikaner das noch lebensrettende Elixier zu bringen. Zum einen ist das für die Katz gewesen - weil Mexikaner schon tot - und zum anderen ist dies der Anfang vom Ende des schnurrbärtigen Macho Moss.

Der ist eigentlich eine ehrliche Haut, hat diesmal aber Pech gehabt. Ihm auf den Fersen - nach einer atemstockend und gleichsam irrwitzig gefilmten Attacke durch eine nicht zu bändigende Bluttöle - ist Anton Chigurh, ein stoischer Killer, der ohne jegliche Regung Typen mit einem Bolzenschußgerät meisterlich ins Dach schießt, ein knochenharter Hund, der einzig mit seiner Mireille-Mathieu-Gedächtnis-Frisur so etwas wie Humor beweist. Da kann der kurz vor der Rente stehende und entsprechend agierende Sheriff Bell auch nur wenig entgegenhalten, so einem wie Moss ist kaum noch zu helfen und die Kampfmaschine Chigurh ohnehin nicht zu stoppen. Und so kann das Ende dieses brillanten Männerkinos - Frauen spielen hier nur marginale, wenn auch für die harten Jungs oft schicksalsprägende, medusenartige Rollen - nur ein hochgradig amoralisches sein, was logisch und versehen mit einer Prise furztrockenen Humors das einzig glaubwürdige Ende ist.

Das waren halt die 80er, da gab es noch nicht für jeden Atemzug ein Diskussionspapier, da war der Westen noch freier, die Männer noch Kerls, wenn auch - der Titel verrät es - nicht gerade für das Erreichen der Pension prädestiniert ... Ebenfalls im Bunde dieser nüchternen Ballade ist die in meisterlich komponierten Bildern festgehaltene Landschaft, die bezirzend schön, aber auch komplett illusionslos die große schwere Einsamkeit, die alles prägende Härte der in ihr lebenden Rauhbeine darstellt. Den Coen-Brüdern ist das gelungen was nach EIN (UN)MÖGLICHER HÄRTEFALL und LADYKILLERS kaum denkbar schien: sie haben zu ihrem lakonischen Erzählstil blutgetränkter Geschichten zurückgefunden, und mit diesem kräftigen Poem über den Verfall der Werte eine geradezu meisterliche Reminiszenz an Peckinpah & Co geliefert.

Zentrum des Films ist zweifelsohne Javier Bardem. Wie er Chigurh als völlig gefühlskalten Vollstrecker spielt, wie er vor dem nächsten Abschlachten so ganz leicht den Kopf auf die Seite legt, und wenn dann noch ein schmales, kaum sichtbares Lächeln seinen Mund umschließt, dann sorgt Bardem für Gänsehaut pur.

[ Michael Eckhardt ] Michael mag Filme, denen man das schlagende Herz seiner Macher auch ansieht. Daher sind unter den Filmemachern seine Favoriten Pedro Almodóvar, Xavier Dolan, François Ozon, Patrice Leconte, Luis Buñuel, John Waters, François Truffaut, Pier Paolo Pasolini, Ingmar Bergman. Er mag aber auch Woody Allen, Michael Haneke, Hans Christian Schmid, Larry Clark, Gus Van Sant, Andreas Dresen, Tim Burton und Claude Chabrol ...
Bei den Darstellern stehen ganz weit oben in Michaels Gunst: Romy Schneider, Julianne Moore, Penélope Cruz, Gerard Depardieu, Kate Winslet, Jean Gabin, Valeria Bruni-Tedeschi, Vincent Cassel, Margherita Buy, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert ...
Eine große Leidenschaft hat Michael außerdem und ganz allgemein für den französischen Film.

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