Originaltitel: NO LAND’S SONG

D/F 2014, 91 min
FSK 0
Verleih: Basis

Genre: Dokumentation, Polit, Musik

Stab:
Regie: Ayat Najafi
Drehbuch: Ayat Najafi

Kinostart: 17.03.16

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No Land’s Song

Laßt starke Frauen um Euch sein!

Miley Cyrus nackt auf der Abrißbirne, ständiges IN BED WITH MADONNA oder Lady Gaga als wandelnder Brocken rohen Fleisches: Den westlichen Musikkonsumenten erfreut bzw. entnervt die trällernde Ladyschaft mit entspanntem Willen zur Provokation. Letztere hat sich auch die iranische Komponistin Sara Najafi als Ziel gesetzt, allerdings wird der Gürtel dafür einige Löcher enger geschnallt und hat keine auf billigen Effekt hin loskreischende, sondern eine mutige Form, geht es Sara doch um politische Statements, eine kleine Revolution.

Konkret stellt sie fest, daß im Iran früher Sängerinnen durchaus mal öffentlich beispielsweise die Vorzüge des betrunkenen Daseins preisen konnten, wie eingespielte Archivaufnahmen beweisen, seit der Revolution von 1979 verschwand die weibliche Stimme indes. Frauen dürfen unter keinen Umständen solo auftreten, sofern das Publikum bloß einen einzigen Mann beinhaltet, man soll strikt unter sich bleiben. Und wenn Vertreterinnen des unbezweifelt schönen Geschlechts tatsächlich auf der Bühne stehen, gelten strengste Sicherheitsvorkehrungen: Kopftuchpflicht, keinerlei Bewegungen oder – um Himmels willen! – Tanz, und sollte irgendwo nackte Haut blitzen, wird ganz fix das Licht ausgeschaltet.

Wir verfolgen nun, wie Sara ein Konzert organisieren will, amtliche Willkür erleidet, gegen Repressalien kämpft, mehrfach Stunk im Kulturministerium macht. Und ausgerechnet dort keimt eine Ahnung der gesellschaftlichen Zustände, wenn aus Schutzgründen Kommunikation vor schwarzem Bild zu hören ist, während Mitarbeiter ankündigen, jetzt „ganz offen zu sprechen“ – und dies wirklich tun. Persönlich abgeneigt scheinen sie nämlich nicht, geben Hinweise, welche die Verbote eventuell umgehbar machen. Da kommt fast schon etwas Guerilla-Stimmung auf, an anderen Stellen regiert eher das kopfschüttelnde Amüsement. Hauptsächlich dafür zuständig ein geistiger Gelehrter, der seine Aufgabe darin sieht, auf absurdeste Weise eigentlich unhaltbare Zustände zu rechtfertigen. Egal, ob es plötzlich um die Gefahren Käse verderbenden Obstes, gestörte Frequenzen oder nicht erregende (aber erregte) Männlichkeit geht.

Spannende Betrachtungen, musikalische Kostproben, verblüffender Unterhaltungswert und wortwörtlich zielorientierte Montage des Materials: alles richtig gemacht! Im Gegensatz zum Hahn, dessen aus Ungeschick schrecklicher Schrei so nebenbei außerdem Erklärung erfährt.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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