Originaltitel: PAPADOPOULOS & SONS

GB 2012, 109 min
FSK 0
Verleih: Neue Visionen

Genre: Komödie

Darsteller: Stephen Dillane, Cosima Shaw, Frank Dillane, Georges Corraface

Regie: Marcus Markou

Kinostart: 04.07.13

1 Bewertung

Papadopoulos & Söhne

Fish & Witz

Im englischen Sprachraum gibt es den schönen Begriff des „Hooks“, eine adäquate deutsche Übersetzung dafür gibt es nicht. Haken? Wie jämmerlich! Im Falle PAPADOPOULOS & SÖHNE ist der Schauspieler Stephen Dillane der „Hook.“ Mag man beim Lesen der Inhaltsangabe dieser britischen Komödie auch noch so hadern, mag die Kurve der Begeisterung dann beim Sehen immer wieder abflachen – Rettung naht sofort, und sie heißt Dillane. Feiner Mann!

Ganz im beliebten Stile bittersüßer Alltagskomödien von der Insel schüttet der griechisch-zypriotisch-stämmige Regisseur Marcus Markou in seinem Kinodebüt – zuvor arbeitete er als Schriftsteller und ist nebenbei Theatermann – ernste und witzige Elemente in eine Pfanne. Viel macht er dabei gar nicht falsch. Er siedelt PAPADOPOULOS & SÖHNE in London an, packt ihn vor den Hintergrund der jüngsten (garantiert nicht letzten) Finanzkrise und landet immer wieder bei dem, was das Rad der Welt am Ende wirklich am Laufen hält: Familie.

Auch Harry Papadopoulos hat drei Kinder, obwohl er mit seiner Firma und den Nebenschauplätzen eigentlich ausgelastet ist. Doch der Reichtum, den sich der Einwanderersohn und einstige Frühkellner in den Jahren erarbeitet hat und erarbeiten ließ, führt zur angenehmen Verdrängung alter Zwänge. Er hat seinen Bruder Spiros inzwischen abgelegt, daß es noch einen zweiten Bruder gab, wird erst klar, als sich Harry an den Fish & Chips-Imbiß „Three Brothers“ an Londons grauer Peripherie erinnert. Der marode Familienbesitz kommt ihm gerade recht, egal in welchem Zustand. Denn dem Immo-Scout und Frost-Moussaka-Unternehmer steigt das Wasser schwer über den Kragen. Harrys 7jähriger Sohn Theo erfährt als Erster vom Crash der Märkte, weil er selbst in großem Stile mit Aktien dealt. James, der 16jährige, macht statt auf Jura eher in Pflanzenzucht, Katie, die Spätpubertierende, will keinesfalls die einzige Frau im Hause Papadopoulos sein und ist es doch: Mutter ist schon tot.

PAPADOPOULOS & SÖHNE feiert auf milde Weise das Private, die Rückbesinnung auf Wurzeln, Versöhnung und Neuanfang, Werte ohne Börsen. Kitsch wird das nie, auch nicht hysterisch und albern, wenngleich der gewisse Britcom-Flow hier nicht ganz so greift wie dereinst in den „Hooks“ der jüngeren Filmgeschichte mit Namen BRASSED OFF und GANZ ODER GAR NICHT. In Zeiten neuer (Komödien-)Armut im Kino stört das aber kaum.

[ Andreas Körner ]

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