Originaltitel: RANG DE BASANTI

Indien 2006, 160 min
Verleih: REM

Genre: Drama, Polit

Darsteller: Aamir Khan, Siddarth, Sharman Joshi, Kunal Kapoor, Atul Kulkarni, Alice Patten

Regie: Rakeysh Omprakash Mehra

Kinostart: 09.11.06

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Rang de Basanti

Bollywood probt die Revolution

Keine andere Filmfabrik folgt festeren Regeln als die indische, sollte man meinen. Überlänge, Gesang und Tanz zu unterschiedlich passenden Gelegenheiten, auf gigantische Ausmaße aufgeblasene Emotionen dürften Stichworte sein, welche den meisten Zuschauern einfallen. Doch es ist an der Zeit umzudenken.

Denn natürlich lernen wir zwar auch hier sofort eine junge, attraktive Frau kennen. Aber sie sprüht kein Feuer aus dunklen Augen, sondern heißt Sue, lebt in London und arbeitet an einem Dokumentarfilm über indische Revolutionäre des frühen 20. Jahrhunderts. Als ihr Chef das Budget kürzt, reist Sue nach Neu-Delhi und castet an der Universität Schauspieler für das Projekt. Doch die Studenten sind unkooperativ, ihr Blick auf den Zustand des Landes könnte desillusionierter kaum sein. Sie feiern ihre Frustration einfach weg, verschließen die Augen. Trotzdem gelingt es Sue, die Hauptrollen zu besetzen, da einige der jungen Leute aus Langeweile zusagen.

Bis zu diesem Zeitpunkt wird der Film von heiteren Intermezzi und opulenten Bildkompositionen dominiert, die erwähnte Hoffnungslosigkeit kommt lediglich in manchem Dialog zum Tragen. Es fällt dem Zuschauer allerdings schwer, einen Zugang zu finden, da die Identifikation mit den großspurigen Twens nicht glücken möchte. Ein Problem, welches durch die sukzessive verstärkt eingestreuten Erzählungen historischer Ereignisse eliminiert wird, da diese einen unglaublichen Sog entwickeln.

Als schließlich eine Katastrophe die Gruppe aufrüttelt, ändert sich alles. Plötzlich erwacht in der unpolitischen Jugend Widerstand, die Jungen identifizieren sich mit ihren Rollen und nehmen den Kampf gegen das System auf. Erneut könnte man dabei Kritik üben, diesmal an der im Sinne offener Polarisation bewußt unbeantworteten Frage, ob die gerechte Sache wirklich alle Mittel – welche hier bis zum Vatermord reichen – legitimiert. Das bittere Ende fährt dagegen direkt ins Mark.

Auch darum gibt es ungeachtet aller Zwiespältigkeiten nur einen Weg, den Kinosaal knappe drei Stunden später zu verlassen: schweigend, mit einer Ganzkörper-Gänsehaut. Und vielleicht sogar feuchten Auges.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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