D 2014, 91 min
FSK 0
Verleih: Senator

Genre: Dokumentation, Natur

Stab:
Regie: Peter Bardehle, Lena Leonhardt
Stimmen: Ben Becker

Kinostart: 28.08.14

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Rheingold – Gesichter eines Flusses

Blubbern und brabbeln

Der Regisseur Patrick Banush hat mal so ganz nebenbei auf den Punkt gebracht, wie es um das heimische Kino steht: „Der deutsche Film ist tot, aber das macht nix“, sagte Banush, und wer nicht weiß, was das meint oder es auch schlicht nicht glaubt, der muß sich einfach mal eine Til-Schweiger-Lustigkeit anschauen. Oder, vielleicht sogar noch besser, weil noch symptomatischer, etwas wie RHEINGOLD – GESICHTER EINES FLUSSES.

Einer jener Filme, in denen nichts geschieht, außer daß heimatliche Landschaften bevorzugt aus der Luft und in gestochen scharfen Bildern abgefilmt und mit blubbernder Musik samt brabbelndem Kommentar unterlegt werden. Da verbindet sich der gute deutsche Vorsprung-durch-Technik-Fetischismus (gestochen scharfe Bilder) mit einer Neigung zu akustischem Kitsch, der Erhabenheit behauptet (Musik-Blubbern) und einem Erklärbärbrummen, das nicht nur leicht bekömmliche Wissenshäppchen reicht, sondern auch gefühlig schwärmt oder auch mal kritisch stirnrunzelt und insgesamt dabei vorbildhaft den Dichter-und-Denker-Modus auf Abiturwissen-Level bedient.

Eine Melange, die jetzt also auch dem guten, alten Vater Rhein übergeholfen wurde. Gut, mag man sagen, der hat schon Schlimmeres ertragen, wie der Kinogeher ja auch. Regisseur Peter Bardehle, der sich ja ebenfalls schon über die NORDSEE und die ALPEN (jeweils mit dem Zusatz VON OBEN) hermachte, folgt jetzt also dem Rhein von der Quelle bis zur Mündung. Und läßt dazu sogar, kühner Einfall, den Rhein gelegentlich höchstselbst zu Wort kommen. Mit der Stimme Ben Beckers. Muß man mehr dazu sagen?

Woher die Vorliebe des heimischen Publikums kommt, derlei in einem Maße zu goutieren, daß alle Jahre wieder solch Was-auch-immer-VON-OBEN-Luftnummern ins Kino kommen, ist dabei eher aus soziologischen und kulturell-nationalmentalen Aspekten interessant. Was hier bedient wird, entspricht tendenziell dem, was einst DER FÖRSTER VOM SILBERWALD auf seine andere (filmischere!) Art bewerkstelligte. Und ein Exkurs zu diesem Neo-Biedermeier des Denkens und Fühlens wäre nicht ohne Reiz, aber in einem Kinomagazin interessiert ja naturgemäß vor allem die rein cineastische Komponente. Und zu der wurde oben mit Herrn Banush ja schon Entscheidendes gesagt.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.

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