D 2018, 111 min
FSK 0
Verleih: Salzgeber

Genre: Dokumentation, Polit

Regie: Gerd Kroske

Kinostart: 19.04.18

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SPK Komplex

„Aus der Krankheit eine Waffe machen!“

Zwar stellt der Titel ohne Interpretationsspielraum klar, welches Sujet in den kommenden knapp zwei Stunden verhandelt wird, dennoch mag man sich fragen: worum geht’s? Denn länger als die bisherige Dauer vieler Leben ist sie her, die 1970 erfolgte Gründung des wohl fast vergessenen „Sozialistischen Patientenkollektivs“, kurz SPK, unter Leitung des Arztes Wolfgang Huber. Das SPK vertrat grob formuliert die Ansicht, alle psychiatrischen Erkrankungen verursache die selbst nicht gesunde Gesellschaft, weswegen deren Heilung am Beginn jeder Therapie stünde, außerdem diene das bestehende medizinische Wesen allein kapitalistischer Gewinnvermehrung. Daraus trieben teils seltsame Sprachblüten: „Der Stein, den jemand in die Kommandozentralen des Kapitals wirft, und der Nierenstein, an dem ein anderer leidet, sind austauschbar. Schützen wir uns vor Nierensteinen!“

Dokumentarfilmer Gerd Kroske interessieren solche Verbalkonstrukte nur am Rande, eher zur Auflockerung, seine durch Archivmaterial unterfütterten Gesprächsrunden, wie Diashows inszeniert, fokussieren naturgemäß das Kennenlernen, Erfassen von Hintergründen. Auf Informationen, wer da gerade was erinnert, verzichtet Kroske, der Mensch soll für sich sprechen, was mal mehr, mal weniger gut funktioniert, häufig lösen Nebensätze – eine psychiatrische Klinik mit Abteilung für Kinder?! – spannendere Fragen aus als das ins Zentrum Gerückte.

Kroske versucht in zwei parallel laufenden Betrachtungssträngen, einerseits die damaligen Behandlungsmethoden anschaulich zu machen, ihre Unzumutbarkeit zu entlarven. Andererseits hallt die Frage, wie es zur Radikalisierung der Mitglieder kommen konnte; einige von ihnen liefen später zur RAF über. Ersteres gelingt ihm tiefgründig und argumentativ gut hinterlegt, etwa dann, wenn die ungleichen Machtverhältnisse zwischen weggeschlossenen Patienten und deren Therapeuten zur Sprache kommen, die eine echte Auseinandersetzung mit der psychischen Störung unmöglich machen.

Beim politisch noch kitzligeren Thema „SPK und RAF“ gibt er sich jedoch oft zu schnell zufrieden, läßt vage Thesen oder abruptes „Ich weiß nicht mehr .../Das will ich Ihnen nicht sagen!“ einfach stehen, es reicht schlicht der Fakt, war eben damals so. Ob das insgesamt zu Erkenntnisgewinnen führt? Zumindest zeigt es wieder mal, daß Gesellschaftskritik unbestritten Sinn hat, Anarchie indes keine praktikable Lösung sein kann.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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