Originaltitel: PRIDE AND PREJUDICE AND ZOMBIES

USA 2016, 108 min
FSK 16
Verleih: Universum

Genre: Liebe, Horror, Literaturverfilmung

Darsteller: Lily James, Sam Riley, Jack Huston

Stab:
Regie: Burr Steers
Drehbuch: Burr Steers

Kinostart: 09.06.16

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Stolz und Vorurteil & Zombies

... und nicht viel Freude daran

In letzter Zeit wurde den Kreaturen der Finsternis ja derb eingeheizt, ob nun HÄNSEL UND GRETEL: HEXENJÄGER magisch begabte Ladies in Einzelteile zerlegten, ABRAHAM LINCOLN VAMPIRJÄGER arge Aversion gegen Blutsauger auslebte, oder THE LAST WITCH HUNTER als eben Letzter seiner Zunft durch New York polterte. Abgesehen von der Grimmschen Neuerzählung spaßtechnisch stets Blindgänger. Und man muß es sagen: Da macht diese untote Austen-Auferstehung keine Ausnahme.

Worum es in „Stolz und Vorurteil“ geht, dürfte bekannt sein, zum Beispiel nach Ansicht der einige Stunden füllenden BBC-Adaption (ja, mit Colin Firth), wir verzichten auf Ausführungen. Grundsätzlich bleibt alles auch dann beim alten, wenn Zombies dazukommen, wie gewohnt sollen ein paar junge Frauen dringend unters Häubchen, wobei Elizabeth und Darcy erst manche mißverständliche Ehrenrunde umeinander drehen müssen. Nur halt alles vor dem Hintergrund einer Zombieplage, die Franzosen haben’s verbockt, wer sonst?! Daher sind die Schwestern schlagkräftig unterwegs, treten beherzt Hintern, dreschen Köpfe ein, und nicht jeden Knopf hält’s beim Kampf am prall geschnürten Dekolleté.

So weit, so gut. Nur viel zu selten. Fast scheint’s, als hätte Burr Steers, bislang bei Herzigem á la 17 AGAIN und WIE DURCH EIN WUNDER auf dem Regiestuhl angeklebt, den Horroranteil unwirsch in Kauf genommen, um eine weitere „Stolz und Vorurteil“-Variante drehen zu dürfen. Taucht wirklich ein Zombie auf, geht es ihm schnellstens ans Leder, und dann folgt erneut der schwerfällig erzählte Austen-Part. Hier raschelt also ein unter aufwendige Verzierungen gequetschtes Kostüm, dort wippt eine kunstvoll gesteckte Frisur, und natürlich gilt es, jederzeit höfliche Gesprächs-Etikette zu wahren, weswegen ein typischer Dialog gern mal in etwa so klingt: „Verzeihen Sie, Miss Bennet? – Ja, Mr. Darcy? – Haben Sie Mr. Wickham gesehen, Miss Bennet? – Bedaure, Mr. Darcy, aber vielleicht wissen Mr. Bingley oder Lady de Bourgh, wo sich Mr. Wickham derzeit aufhält, Mr. Darcy.“

Nach 108 in diesem Stil durchgeboxten Minuten fühlt man selbst den Drang, jedem Satz einen anredenden Appendix hinzuzufügen, liebe Leserin, lieber Leser. Nun, das vergeht zum Glück fix und damit ebenfalls die Erinnerung an jenen Horror-Herzkino-Hybriden, welcher nicht funktionieren wollte.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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