Originaltitel: SWEET COUNTRY

Australien 2017, 113 min
FSK 12
Verleih: Grandfilm

Genre: Western

Darsteller: Hamilton Morris, Bryan Brown, Sam Neill, Ewan Leslie

Regie: Warwick Thornton

Kinostart: 27.09.18

3 Bewertungen

Sweet Country

Großer Outback-Western voller Zwischentöne

2009 war das, als in einigen deutschen Kinos dieser australische Film lief, der vom Leidensweg der Aborigines-Teenager Samson und Delilah erzählt. Zwei, die ihre alttestamentarischen Namen ob der Wucht ihres Schicksals ebenso zu Recht tragen wie dieser Film; denn wer damals zu den Wenigen zählte, die SAMSON & DELILAH, das Kinodebüt des Regisseurs und Kameramanns Warwick Thornton, gesehen haben, der dürfte auch heute, nach fast zehn Jahren, noch diese und jene Szene daraus in aller Klarheit vor Augen haben.

SWEET COUNTRY heißt der neue Film von Warwick Thornton, es ist sein inzwischen fünfter. Ein Outback- Western, der alles hat, was ein Western braucht. Grandiose Landschaft, kraftvolle Figuren, Epik, Gewalt. Und der dann doch ganz eigen, ganz anders erzählt, auch wenn die Story klassischstes Genre ist: 1929 im Northern Territory. Sam Kelly, ein Aborigine, der für den menschenfreundlichen Prediger Fred Smith auf einer entlegenen Farm arbeitet, erschießt in Notwehr einen Mann. Harry March heißt der, ein gewalttätiger Psychopath, ein Säufer und Vergewaltiger. Und weiß. Also flieht Sam mit seiner schwangeren Frau ins Outback, wo er als erfahrener Buschmann seinen Verfolgern immer eine Nasenlänge voraus ist, bis er sich selbst stellt. Denn da Fred, so Sams hoffnungsvoller Gedankengang, ja ein guter Mann ist, ist vielleicht ja sein Gott auch ein guter Gott ...

Man ahnt die Bitternis, die dem folgen muß. Aber sie folgt anders als erwartet. SWEET COUNTRY ist ein Film, in dem die Zwischentöne zirkulieren, die Stimmungen Raum haben. Und wie das berauschende Licht über der Landschaft liegt eine wunderbar schwebende erzählerische Konzentration auf Figuren und Geschehen, die den Film nachgerade zu einer Meditation über das Wesen des Menschen werden läßt. Auch, weil die Zeichnung der Charaktere hier psychologisch weit differenzierter ausfällt, als in Western üblich. Gilt selbst für einen Kotzbrocken wie March. Ein Mann, verabscheuungswürdig und bemitleidenswert. Seelisch zermalmt vom Weltkrieg, in dem er diente.

SWEET COUNTRY wartet mit einigen solcher Porträts auf. Mittendrin Sam und seine Frau. Samson-und-Delilah-Wiedergänger. Und spätestens, wenn nach 110 musiklosen Handlungsminuten Johnny Cash mit „Peace In The Valley“ den Abspann begleitet, weiß man, daß man auch diesen Film und seine zwei verlorenen Helden nicht so schnell vergessen wird.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.

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