Originaltitel: THE CRUISE

USA 1998, 76 min
Verleih: Athos

Genre: Dokumentation

Darsteller: Timothy "Speed" Levitch

Regie: Bennett Miller

Kinostart: 21.06.01

Noch keine Bewertung

The Cruise

Unentschlossenes New York-Porträt

Woody Allen, der New York-Neurotiker schlechthin, äußerte einmal: "Mich erstaunen Menschen, die das Universum begreifen wollen, wo es doch schon schwierig genug ist, sich in Chinatown zurechtzufinden."

Timothy "Speed" Levitch scheint das Universum begriffen zu haben, zumindest erklärt er es gern und ausführlich. Zum einen den Touristen, welche er auf Doppeldeckerbussen durch den Big Apple lotst und mit seinem umfangreichen Anekdotenarsenal gepaart mit plakativer Rhetorik beeindruckt, zum anderen uns, dem Publikum von THE CRUISE. Wir lassen uns auf die vermeintlich aufregende Reise ein, doch das Dokumentarauge wohnt viel mehr einer affektierten Selbstdarstellung bei. New York aus dem Blick eines egozentrischen Fremdenführers, der sich viel lieber der Schriftstellerei widmen würde. "Der Kick, am Leben zu sein ist dein eigenes Ding. Das kannst du auch in deinem Wohnzimmer...." Weisheiten wie diese gibt Levitch im Minutentakt von sich, Regisseur Bennett Miller fängt geduldig alles in groben schwarzweißen Bilder ein. In der zweiten Hälfte des Filmes kommen unerwartet Gestaltungsmittel, wie Musik und Bildverfremdung zum Einsatz, zum Finale hin erliegt der Regisseur gar der Effekthascherei - die Frage nach seiner filmischen Absicht stellt sich vehement.

Als New York-Dokument ist THE CRUISE zu seicht geworden, als Porträt eines selbstverliebten Wanderers möglicherweise zu banal, zu eingenommen von Timothys Person, und zur unterhaltenden Dokumentation fehlt es Bennetts Film wirklich an Charme und Geschwindigkeit. "Fasten Your Seatbelts!" verspricht das Filmplakat - an Selbstbewußtsein mangelt es also nicht. Authentizität wünscht man sich, doch nur in einem Moment scheint Levitch aus europäischer Sicht "echt" zu sein, als er wütend über ein verrissenes Theaterstück berichtet.

Und dennoch immer wieder die Frage: Wohin will der Film? Schimmert hinter der inszenierten Fassade das unsichere Bild einer jungen, bockigen Kultur - auf der Jagd nach jedem Zipfel kultureller Identität? Wie gern würde man da Timothy den Graffiti-Spruch auf den Bauch tätowieren, den Bennetts Kamera in einem stillen Filmmoment einfängt: All we know is wrong...

[ Roman Klink ]

Lesezeichen:

Ersten Kommentar schreiben zur Rezension oder zum Film




* Pflichtfelder

Die Angabe eines Echtnamen ist nicht erforderlich: Spitznamen bzw. Nicknames sind erlaubt!

Die Email-Adresse wird nicht veröffentlicht!

HTML nicht erlaubt.