Originaltitel: THE WOODSMAN

USA 2004, 87 min
Verleih: Tobis

Genre: Drama

Darsteller: Kevin Bacon, Kyra Sedgwick, Eve, Mos Def, Benjamin Bratt

Regie: Nicole Kassell

Kinostart: 05.05.05

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The Woodsman

Wie schwer wiegt Schuld?

Vor dem bösen Mann aus dem Wald warnen einen die Eltern besonders früh. Der ist immer sehr nett, spricht manchmal mit kindlicher Stimme und sieht eigentlich nie aus wie Gert Fröbe. Was Süßes hat er dennoch meist dabei.

Doch um pädagogisch-psychologische Raster geht’s in diesem niemals sensationsheischenden, aufwühlenden Drama um einen, der früher sehr Schlimmes beging, keinesfalls. Vielmehr geht dieses mit ruhiger Hand entworfene Porträt eines Gestrauchelten der Frage nach, ob nicht tatsächlich jeder eine zweite Chance verdient. Wie schwer wiegt Schuld, gerade für den Schuldigen? Kevin Bacon spielt in einer tief im Bauch bewegenden und durchaus auch Verunsicherung auslösenden Performance den frisch aus dem Knast entlassenen Sägewerkarbeiter Walter, der im minutiös geplanten Takt versucht, in seinem sterilen Wohnappartement den Wiedereinstieg ins keim- und schattenfreie Alltagsleben zu finden. Er trifft auf Vickie, eine Staplerfahrerin, die ihn verführt, sich in Walter verliebt und sich panisch zurückzieht, als sie von seinem pechschwarzen Geheimnis erfährt: er hat minderjährige Mädchen mißbraucht.

Vickie trifft dieses Geständnis mit voller Wucht, wurde sie doch selbst von ihren Brüdern wieder und wieder vergewaltigt. Für Walter steigen die Schreckensgeister der Vergangenheit wieder aus ihren teuflischen Gruften: auf Arbeit wird er auf Grund seiner Taten schikaniert, ein ehrgeiziger Bulle heftet sich an seine Fersen und sähe ihn lieber heute als morgen wieder im Knast. Walter beobachtet und "bestraft" einen Typen, der kleine Jungen auf dem Schulhof anlockt, und schließlich spricht er im Park die kleine Robin an ...

Kinodebütantin Nicole Kassell neigt weder zur Anklägerin noch zur Richterin. Sie ist im Prinzip genauso ohnmächtig wie der Zuschauer ob des schrecklichen Vergehens von Walter, aber sie findet einen Weg zum Verstehen: sie schaut tief in Walters mitunter wüstes Gedanken- und Emotionsschlachtfeld, umreißt seinen Willen nach Normalität als einen verzweifelten, aber uneingeschränkt nachvollziehbaren Wunsch. Und sie ließ offensichtlich dem Mimen Kevin Bacon allen Raum, seine Figur weit entfernt von überstrapazierten Monsterschablonen auszutarieren. Eine Entscheidung, die jeder als klug empfinden wird, der sich auf diese unbequeme, nachhaltig berührende Tour de Force einläßt.

[ Michael Eckhardt ] Michael mag Filme, denen man das schlagende Herz seiner Macher auch ansieht. Daher sind unter den Filmemachern seine Favoriten Pedro Almodóvar, Xavier Dolan, François Ozon, Patrice Leconte, Luis Buñuel, John Waters, François Truffaut, Pier Paolo Pasolini, Ingmar Bergman. Er mag aber auch Woody Allen, Michael Haneke, Hans Christian Schmid, Larry Clark, Gus Van Sant, Andreas Dresen, Tim Burton und Claude Chabrol ...
Bei den Darstellern stehen ganz weit oben in Michaels Gunst: Romy Schneider, Julianne Moore, Penélope Cruz, Gerard Depardieu, Kate Winslet, Jean Gabin, Valeria Bruni-Tedeschi, Vincent Cassel, Margherita Buy, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert ...
Eine große Leidenschaft hat Michael außerdem und ganz allgemein für den französischen Film.

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