Originaltitel: TRUMBO

USA 2015, 125 min
FSK 6
Verleih: Paramount

Genre: Biographie, Polit, Drama

Darsteller: Bryan Cranston, Diane Lane, Elle Fanning, Helen Mirren, John Goodman, Christian Berkel

Regie: Jay Roach

Kinostart: 10.03.16

1 Bewertung

Trumbo

Reizvolle Spiegelung einer Ära

Dalton Trumbo (1905–1976) hat so einige erfolgreiche Drehbücher zu so einigen erfolgreichen Hollywoodfilmen geschrieben. Ein paar wirklich großartige sind auch darunter. Allen voran wohl EINSAM SIND DIE TAPFEREN (1962), ein elegischer Spätwestern, ein faszinierendes Charakterdrama und für Hauptdarsteller Kirk Douglas erklärtermaßen der schönste Film, in dem er je gespielt hat.

Einsam sind die Tapferen – privat hätte Mr. Dalton Trumbo derlei über sich selbst nie gesagt. Weil er diesbezüglich doch eher zum Understatement als zum Pathos neigte. Und auch, weil er die Erfahrung der Einsamkeit selbst in der finstersten Zeit seines Lebens so nie machen mußte. In jenen Jahren ab 1947, als man in Hollywood den Kalten Krieg anging als große Hexenjagd auf alles, was man irgendwie für kommunistisch, also links, hielt.

Eine Zeit, in der Bespitzelung und Denunziation des Patrioten oberste Pflicht waren. Und so geistern durch Hollywood die Ausschüsse für unamerikanisches Verhalten, auf deren berüchtigter Schwarzen Liste sich bald auch Dalton Trumbo findet. Gefängnisstrafe, Berufsverbot, Isolation sind die Folge. Arbeiten ist Trumbo nur unter Pseudonym oder mit Hilfe von Strohmännern möglich. Ein Vabanquespiel, das nicht weniger absurd und riskant wird, als Drehbücher mit OSCARS prämiert werden (EIN HERZ UND EINE KRONE, ROTER STAUB), ohne daß Trumbo als Autor genannt werden oder in Erscheinung treten darf.

Was nun die politische Dimension der Geschichte angeht, muß man mit Blick auf Jay Roachs TRUMBO erst einmal klar sagen, daß andere Hollywoodstreifen dieses dunkle Kapitel schon komplexer ausgeleuchtet haben, auch wenn – oder gerade weil – der Film sich gern mal am Gestus der Geschichtslektion versucht. Es sind indes andere Dinge, die TRUMBO zum reizvollen Stück Kino machen. Das Kino selbst nämlich. Diese detailverliebte Bespiegelung einer Hollywood-Ära, in der John Wayne seine Meinung poltert, sich Edward G. Robinson seiner Feigheit schämt, ein smarter Kirk Douglas den öffentlichen Druck ignoriert. Schauspieler, Regisseure (echtes Schmankerl: Christian Berkel als Otto Preminger), Produzenten, Klatschkolumnistin – sie alle erscheinen in TRUMBO und das durchweg erstklassig besetzt.

Bis hin zu Trumbo selbst, dem Bryan Cranston wunderbar Kontur gibt. Kettenrauchend und Whiskey kippend, bärbeißig, eitel, großherzig. Und ja: tapfer auch.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.

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