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Underdogs

Menschelndes auf vier Pfoten

Es heißt ja oft, das Leben schriebe die besten Geschichten. Und manchmal werden darum aus Dokumentationen eben auch Spielfilme, wie hier. Schon 2001 hatte Regisseur Jan Hinrik Drevs sich seine Kamera geschnappt, um einem New Yorker Projekt namens "Welpen hinter Gittern" auf die Spur zu kommen, bei dem verurteilte Schwerverbrecher Blindenhunde ausbilden. Nun gibt es das Ganze in abendfüllend-fiktiver Form.

Ständiges Kläffen, Pfützen auf dem Zellenboden, zu wenig Zeit zum Kraftsport: Häftling Mosk ist überhaupt nicht erfreut, als ihm die Knastdirektorin einen kleinen Hund verpaßt, den er schulen soll. Entsprechend rüde behandelt Mosk das Tier, welches doch bloß seine Zuneigung erringen will, und handelt sich den Unmut seiner Mitinsassen ein, die ihren Schützlingen mit Begeisterung "Sitz" und "Platz" beibringen. Aber wenig verwunderlich kann niemand auf lange Sicht einem Fellknäuel mit treuen Kulleraugen und Wackelschwänzchen widerstehen, weshalb der wortkarge Einzelgänger vom Welpen schließlich trotzdem um dessen Pfote gewickelt wird.

Brennende soziale Themen, Schilderungen des Knastalltags, noch etwas mehr Handlung? Fehlanzeige. Es geht tatsächlich "nur" um die Zuneigung zum Hund und im harten Knastbruder erwachende Emotionen, um den schweren Abschied nach erfolgreicher Ausbildung und zarte Bande, bei denen die JVA-Leiterin ins Spiel kommt. Das war’s. Und es stimmt schon: Man mag den hiesigen Bildern eine gewisse Muffigkeit, der zum Einsatz kommenden Technik irgendwie Fernsehspielniveau unterstellen. Klar belastet sich das Ganze auch niemals durch unvorhersehbare Wendungen. Logischerweise packt das Skript ebenfalls gern mal den ganz großen Holzhammer aus, um zu menscheln, wo es nur geht. Aber was soll’s!

Obwohl UNDERDOGS grundsätzlich besser im TV-Abendprogramm aufgehoben wäre, kann man nämlich dem Niedlichkeitsfaktor der Vierbeiner einfach nicht widerstehen, zumal das Herz dieser "Ein besserer Kerl dank Bello"-Mär zweifellos am rechten Fleck schlägt. Zyniker werden sie darum idealistisch und kitschig schimpfen; wer allerdings ein gerüttelt Maß an Unvoreingenommenheit investiert, verläßt den Kinosaal zwar ohne neue Erkenntnisse, doch mit einem beschwingten Gefühl, vielleicht sogar einem breiten Grinsen. Immerhin.

D 2007, 95 min
Verleih: Farbfilm

Genre: Komödie

Darsteller: Thomas Sarbacher, Clelia Sarto, Hark Bohm, Ingo Naujoks, Kida Ramadan

Stab:
Regie: Jan Hinrik Drevs
Drehbuch: Jan Hinrik Drevs

Kinostart: 24.07.08

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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