Originaltitel: SEED: THE UNTOLD STORY

USA 2016, 94 min
FSK 6
Verleih: W-Film

Genre: Dokumentation

Regie: Taggart Siegel, Jon Betz

Kinostart: 11.10.18

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Unser Saatgut

Kleine Sache ganz groß

Die natürliche Vielfalt ist bedroht, nicht nur die der Säuger, Insekten und Orchideen, sondern auch die der Kulturpflanzen. „Mehr als 90 Prozent aller Saatgutsorten sind bereits verschwunden“, heißt es in der Dokumentation UNSER SAATGUT. Die industrielle Landwirtschaft setzt auf wenige, marktkompatible Sorten und gleichzeitig Bauern weltweit unter Druck, von ihrem traditionellen Saatgut abzulassen.

Die Filmemacher Taggart Siegel und Jon Betz interviewen dazu Kleinbauern und Saatgutschützer in den USA, Hawai, Mexiko, Indien und Afrika. Auch in der Umweltszene so bekannte Aktivisten wie die Inderin Vandana Shiva, die 1993 mit dem alternativen Nobelpreis geehrt wurde, oder die Affenforscherin Jane Goodall kommen zu Wort. Was sie erzählen, klingt alarmierend, zuweilen auch recht esoterisch, wenn vielmals die (gestörte) Verbindung der Menschen zu Mutter Erde beschworen wird und Embryos mit Saatkörnern verglichen werden. 

Wie viele andere Dokus dieses Genres hat UNSER SAATGUT eine klare politische Botschaft: weg von der industriellen Landwirtschaft mit ihren Monokulturen, Hybridsaaten und gentechnisch veränderten Organismen und zurück zur kleinbäuerlichen, biologischen Anbauweise. Die Leidenschaft, mit der der Film seine These vertritt, wirkt zwar sehr überzeugend, vernachlässigt aber die gute journalistische Tugend, sowohl die eine als auch die andere Seite zu beleuchten. David, in diesem Fall Saatgutschützer und Kleinbauern, kämpft mal wieder gegen Goliath, verkörpert durch große Konzerne wie Bayer/Monsanto oder Syngenta, die als Inbegriff des bösen, profitorientierten Unternehmertums dargestellt werden. Daß es auch ausgewogener und deshalb nicht weniger kritisch geht, zeigte unlängst Andreas Pichler mit DAS SYSTEM MILCH, in dem er die europäische Milchindustrie unter die Lupe nahm.

Die eigentliche Stärke von UNSER SAATGUT liegt in seiner ästhetischen Umsetzung. Selten wurde eine Umweltdoku so herausragend bebildert: Liebevoll animierte Zwischenfilme, die unter anderem die jahrtausendealte Beziehung zwischen Menschen und Mais illustrieren, verdeutlichen Zusammenhänge. Und die eigentlichen Stars des Films, die Samen, werden durch Nahaufnahmen und Zeitraffersequenzen groß in Szene gesetzt. Es entsteht ein wahres Fest an Farben und Formen auf der Leinwand. Da möchte man gleich nach dem Kino ein paar Samen in die Erde legen.

[ Dörthe Gromes ]

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