Originaltitel: THE GIRL IN THE SPIDER'S WEB

GB/D/S/Kanada/USA 2018, 116 min
FSK 16
Verleih: Sony

Genre: Thriller, Literaturverfilmung, Action

Darsteller: Claire Foy, Sverrir Gudnason, Sylvia Hoeks, Lakeith Stanfield, Vicky Krieps

Regie: Fede Alvarez

Kinostart: 22.11.18

Noch keine Bewertung

Verschwörung

Komm zurück, Lisbeth!

Bloß schwer auslotbare Handlungstiefen? Nicht wirklich das Terrain von Fede Alvarez, dessen EVIL DEAD-Remake den offensichtlichen Mangel durch Gewalt, Gewalt und natürlich Gewalt kaschierte, während DONT’T BREATHE Atmosphäre zur Verschleierung nutzte. Ergo genau der richtige Mann, um wieder ins komplexe, nebenstrangreiche Universum von Lisbeth Salander einzutauchen …

Die nun Claire Foy spielt, sich primär an Noomi Rapace sowie – eher abgeschlagen – Rooney Mara messen lassen muß. Und ganz gut besteht; den gehetzten Blick hat Foy drauf, die mißmutige Miene ebenso, weiterführende Aktivposten braucht Lisbeth hier nicht. Außer vielleicht etwas zusätzliche Polsterung auf der Hüfte, denn Alvarez stilisiert sie kurzerhand zur ständigen Angriffen ausgesetzten Action-Heroine, welche inmitten eines flammenden Infernos zwecks Rettung in die Badewanne hechtet (und sich dort trotz Bewußtlosigkeit umzudrehen weiß, man will ja nicht elend ersaufen), selbst unter Drogen gesetzt Bleifuß gibt, aber noch genug Lady ist, um vor dem ausgedehnten Showdown eine kleinere Typveränderung zu wagen: böse Buben in den Hintern treten. Es schneit. Die aufgepeppte Frisur sitzt (vorübergehend). Charakterliches Update ebenso bei Mikael Blomkvist, jetzt kaum mehr als notwendigerweise reingepreßte Randfigur, zum halbgaren, halbattraktiven Langhaarburschen verjüngt.

Gelackte optische Glätte auch sonst allerorten, nein, Blaufilter erzeugt keine authentische kühle Skandinavienkrimistimmung. Zumindest schaut er anfangs echt schick aus, da komponiert Alvarez seine Bilder zu wahren Sinfonien, ehe – wenige Minuten zogen vorbei – die optischen Leckerbissen (immerhin gesunder) Standardkost weichen. Eventuell liegt’s am zunehmend … sagen wir … soliden Plot? Dieser zeigt Lisbeth zunächst bei feministischen Attacken, bevor das Programm „Firefall“ ihre Aufmerksamkeit weckt. Wie mehrere Personen differierend beschreiben (hallo, letzte Reihe!), dient selbiges dem Zugriff auf alle aktiven Atomwaffen weltweit. Wer’s besitzt, kann also Gott spielen. Lisbeth soll das gefährliche Ding den vertrauensunwürdigen Amerikanern entwenden, provoziert finstere russische Killer – Vollprofis, denen es stets gelingt, mit Maschinenpistolen danebenzuschießen – plus NSA, steht bald ein weiteres Mal unter Mordverdacht, und schließlich zieht die Story emsig ein neues familiäres Geheimnis an den dünnen blonden Haaren herbei. Merke: Mißtraue Frauen, die zum roten Kostüm High Heels und Gasmaske kombinieren!

Das ergibt recht bombastische Samstagabendunterhaltung, zwar Lisbeths Person absolut unangemessen und tiefenabstinent, jedoch durchaus ansehbar. Dumme Schönheitsfehler indes inklusive: Alvarez wähnt sich wohl gewohnheitsmäßig im Horrorfilm, gemessen am beiläufigen Töten, drastischen Foltern und final fast selbstzweckhaft brutalen Bestrafen des fiesen menschlichen Kroppzeugs. Und wenn platte Reißbrett-Psychologie dazu herhält, psychotisch derangierte Geistesverwirrung zu erklären, wird’s regelrecht beschämend.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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