D 2010, 96 min
FSK 6
Verleih: Constantin

Genre: Drama, Roadmovie

Darsteller: Florian David Fitz, Karoline Herfurth, Johannes Allmayer, Heino Ferch, Katharina Müller-Elmau

Regie: Ralf Huettner

Kinostart: 22.04.10

7 Bewertungen

Vincent will Meer

Mit Schieleblick zum breiten Strom

Wikipedia weiß, das Tourette-Syndrom ist eine neurologisch-psychiatrische Erkrankung, die durch das Auftreten von Tics charakterisiert ist. Bei den Tics handelt es sich um unwillkürliche, rasche und mitunter heftige Bewegungen, die immer wieder in gleicher Weise einzeln oder serienartig auftreten können. Verbale, ungewollte Äußerungen zählen mit dazu, sowie Ausrufe oder eigenartige Geräusche.

VINCENT WILL MEER eröffnet mit folgender Szene: Eine Kirche, darin eine Trauerfeier. Betroffene Gesichter, andächtiges Lauschen auf die Worte des Pfarrers. Plötzlich in der ersten Reihe ein Zucken und Knurren, dann Worte, wie ausgespuckt: Fotze! Verdammt! Kurz darauf stürzt in Panik ein Typ nach draußen. Vincent heißt der und leidet am Tourette-Syndrom. Da kann es passieren, daß man auch schon mal die Trauerfeier für die eigene Mutter mit einem Anfall torpediert.

Man will ja nicht zynisch sein, wenn man konstatiert, daß das Tourette-Syndrom wirklich super geeignet ist für Kinoszenen zwischen verstörend und lustig-grotesk. Was für erzählerische Steilvorlagen sich da doch bieten! Ralf Huettners Film nach einem Drehbuch des Vincent-Darstellers Florian David Fitz gibt sich viel Mühe, diese Steilvorlagen mit Contenance anzugehen. Also keine Kranken vorführen, dennoch aber gewissermaßen das „Krankheitspotential“ bezüglich Emotionalität und Unterhaltungswert effizient nutzen. Und VINCENT WILL MEER erzählt ja auch eine hübsche Geschichte, wenn der Titelheld aus seiner Therapie-Klinik abhaut und nach Italien ans Meer aufbricht, um dort die Asche seiner Mutter zu verstreuen. Im Schlepptau: die magersüchtige Marie und der Zwangsneurotiker Alexander. Ihnen allen auf den Fersen sind Vincents selbstgefälliger Papa und eine besorgte Psychologin.

Gut gespielt, ansehnlich fotografiert und mit empfundenen 400 Poptiteln eines Instant-Song-Writing gefirnißt. VINCENT WILL MEER ist nicht schlecht – aber eben auch nicht wirklich gut. Es muß ja in Anbetracht des Sujets nicht immer wie etwa beim famosen, norwegischen DIE KUNST DES NEGATIVEN DENKENS zugehen. Aber diese Selbstfindungsmär um Vincent und seine Freunde schielt beim Erzählen einfach eine Spur zu offensichtlich auf Mainstream-Kompatibilität. Das allein macht sicher noch keinen schlechten Film. Aber, wie gesagt, eben auch noch keinen wirklich guten.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.

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