Originaltitel: RACE

F/D/Kanada 2016, 118 min
FSK 0
Verleih: SquareOne/Universum

Genre: Biographie, Sport, Drama

Darsteller: Stephan James, Jeremy Irons, Carice van Houten, Barnaby Metschurat, William Hurt

Regie: Stephen Hopkins

Kinostart: 28.07.16

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Zeit für Legenden

Der will doch nur zu den Spielen!

Fakten, Fakten, Fakten: James Owens, später Jesse genannt, verläßt 1933 seine Heimat Cleveland, um zu studieren, wobei neben der Familie auch Freundin Ruth und Kind zumindest vorerst zurückbleiben. Er wird als leichtathletisches Ausnahmetalent entdeckt und gefördert, bricht sämtliche Rekorde, schließlich – mittlerweile zeigt der Kalender 1936 – steht die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Deutschland auf dem Programm. Eigentlich. Denn Jesse ist schwarz, Juden und „Negern“ mag das Nazi-Regime keine sportliche Plattform bieten ...

Eine wahre Geschichte. Man muß sich das immer mal wieder vor Augen halten, um der Handlung keine plumpe Klischeeneigung zu unterstellen. Anders formuliert: Die Doppeldeutigkeit des schlichten Originaltitels RACE stellt hier die einzige Überraschung. Alles andere entspricht weitgehend den üblichen Formalitäten: Natürlich müssen Jesse und Ruth zwischendrin unnötige Beziehungsgefechte austragen, klar rechtfertigt sich inszenatorische Überdeutlichkeit nicht aus befürchteter Dummheit der anvisierten Zielgruppe, sondern dient konsequenter Bekräftigung so bekannter wie unverändert aktueller Botschaften, hohl klingende Abstürze allerdings inbegriffen: „Hör’ auf Dein Herz!“ Oft schimmert reines Kalkül durch, echt wirkende Emotionen kommen selten vor, dafür schielt dieses Würdigungs-Biopic zu sehr auf Korrektheit.

Denkmalfunktion und relevante Aussage darf man somit als total erfüllt betrachten, aber viel mehr bleibt selbst einem fähigen Hauptdarsteller und starkem Ensemble kaum zu vermitteln: Jeremy Irons spult sein spätestens seit DAS GEISTERHAUS festgezurrtes (wenn auch immer wieder sehenswertes) Repertoire runter, Carice van Houten wird es nicht mal im Ansatz erlaubt, die Komplexität einer Leni Riefenstahl bloß versuchsweise auszuspielen, und welche seiner gefühlt fünf Drehbuchzeilen William Hurt zur Unterschrift bewogen haben könnte, darüber rätselt der Autor heute noch. Absolut atemberaubend allerdings der Joseph Goebbels von Barnaby Metschurat, in dessen Mimik und Blicken Kälte, Berechnung, Gefahr, Wahnsinn und permanentes abcheckendes Lauern eine unheilige Allianz schmieden.

Metschurats grandioser Szenendiebstahl ist es dann letztlich, was jene ZEIT FÜR LEGENDEN über den gängigen Durchschnitt ähnlicher Filme hebt. Zwar nicht sonderlich weit, aber wenigstens spürbar – und doch sehenswert.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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