Originaltitel: A CASA TUTTI BENE

I 2017, 105 min
FSK 6
Verleih: Wild Bunch

Genre: Komödie

Darsteller: Stefano Accorsi, Sandra Milo, Stefania Sandrelli

Regie: Gabriele Muccino

Kinostart: 02.08.18

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Zu Hause ist es am schönsten

Ein italienisches Familienfest

Gabrielle Muccino plaziert sein Familienchaos auf der malerischen Insel Ischia. Und alles ist genauso schön überbordend italienisch – die Landschaft, die romantische Kapelle, die riesige Tafel –, wie man sich das eben so denkt, wenn zu Albas und Pietros Goldener Hochzeitsfeier die ganze Mischpoke laut und (noch) lachend anreist.

Da hätten wir Carlo, den Sohn, dessen eifersüchtige Ehefrau Ginevra ihm Szenen macht, weil dessen Ex ebenso zum Jubiläum geladen wurde. Mit der Ex hat Carlo eine Tochter – Luna. Die reist mit ihrem besten Freund Edoardo an, und bald stellen die beiden traumschönen Teenager fest, daß platonische Freundschaften ziemlich langweilig sein können. Tochter Sara, die das elterliche Restaurant leitet, hat Diego, ihren untreuen Ehemann, zu ertragen, während Lieblingssohn Paolo, der Poet der Familie, ununterbrochen von der rehäugigen Cousine Isabella angeschmachtet wird. Das schwarze Schaf der Familie Riccardo ist pleite, hat aber immer ein Lied auf den Lippen und reist mit seiner hochschwangeren Freundin an. 

Eigentlich soll die Familienzusammenkunft nur wenige Stunden dauern, doch ein Sturm zieht auf und verhindert die Abreise. Anfänglich haben die zu erwartenden Zickereien und Nervenzusammenbrüche noch Amüsantes, doch touchieren sie ziemlich bald das Niveau einer Seifenoper. Zu klar sind die Schablonen, in der sich die Charaktere bewegen, zu offensiv die Avancen, zu kreischend hysterisch die Ehekrisen, zu plakativ die Rollenbilder. Zwar umweht Muccinos Einblick in die italienische Familienseele immer die leichte Brise des Dolce Farniente, und außerdem bietet er seinem Publikum ein Staraufgebot an italienischen Schauspielgrößen.

Trotzdem bleibt zum Beispiels Muccinos Sara das ziemlich altbacken anmutende Klischee einer betrogenen Ehefrau, die zwar weiß, was gespielt wird, aber den selbstverliebten Diego trotzdem umschwärmt wie die Motte das Licht. Es hätte ein wenig mehr Biß, aber auch Feinsinnigkeit in der Inszenierung gebraucht, um die seichte Komödie in ein intelligentes Kammerspiel mit Herz zu wandeln, das nur an einigen Stellen aufblitzt. Etwa, wenn der an Alzheimer erkrankte Neffe Pietros, Sandro, seit langem mal wieder einen klaren Moment der Erinnerung mit seiner verzweifelten Gattin Beatrice teilt.

[ Susanne Kim ] Susanne mag Filme, in denen nicht viel passiert, man aber trotzdem durch Beobachten alles erfahren kann. Zum Beispiel GREY GARDENS von den Maysles-Brüdern: Mutter Edith und Tochter Edie leben in einem zugewucherten Haus auf Long Island, dazu unzählige Katzen und ein jugendlicher Hausfreund. Edies exzentrische Performances werden Susanne als Bild immer im Kopf bleiben ...

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