Label: Nonesuch Records

Der seidene Faden

Jonny Greenwood

In Paul Thomas Anderson hat Jonny Greenwood sein cineastisches Alter Ego gefunden. Vier Filme des Regisseurs hat der „Radiohead“-Gitarrist und Multiinstrumentalist bis dato vertont. Er ist einer der wenigen Filmmusik-Quereinsteiger, die ein tiefgreifendes Verständnis für klassische Komposition und Tonsatz haben, und die es gleichzeitig ins zeitgenössische Konzertfach zieht. Greenwoods Kompositionen für Film und Bühne sind raffiniert, anspruchsvoll und im besten Sinne extravagant.

Für DER SEIDENE FADEN bricht Greenwood etwas mit seinen bisherigen Arbeiten für Anderson. Im Gegensatz zu den atonalen, clustergequälten Klanganarchien THERE WILL BE BLOOD und THE MASTER windet er die Partitur stärker ins Lyrische. Und doch auch DER SEIDENE FADEN wurde durch den avantgardistischen Webstuhl gezogen, dessen Funktionsweise Greenwood vom Studium seines großen Ideals Krzysztof Penderecki gelernt hat. Nachgerade in den eigentümlichen Klavier- und Violinensolos, den Harfen- und den weit ausgreifenden Streicherwellen fühlt man zwischen Taste und Saite das indigene, rauhe Leinen des großen polnischen Komponisten. Das tut der Originalität von Greendwoods musikalischem Gewebe, in das er auch zarte Fäden Gyorgy Ligetis, Steve Reichs und Bernard Herrmanns eingeschlossen hat, allerdings keinen Abbruch. Im Gegenteil, es läßt es prächtiger schimmern.

[ Philipp J. Neumann ] Philipp fühlt sich inspiriert von CLUB DER TOTEN DICHTER, hat gelernt aus DAS SIEBENTE SIEGEL, ist gerührt von MAGNOLIA, hat sich wiedergefunden in THE SWEET HEREAFTER, wurde beinahe irr durch FARGO, ist für immer vernarrt in PONETTE und war schlicht plattgedrückt von DER HERR DER RINGE.

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