Harry Potter und der Feuerkelch

Mit dem vierten Teil übernahm zum ersten Mal ein anderer Komponist als John Williams die musikalische Ausstattung eines HARRY POTTER-Films. Zwar hatte sich Williams für DIE KAMMER DES SCHRECKENS bereits Arrangier- und Dirigier-Unterstützung bei William Ross geholt, blieb dem zweiten Teil aber als Themengeber und prägende stilistische Stimme erhalten. Den GEFANGENEN VON AZKABAN vertonte der Altmeister wieder solo. Mit seinem Abschied vom Potterversum hinterließ Williams also ziemlich große Fußstapfen, die zu füllen ein Nachfolger nun wagen mußte. Letzten Endes fiel die Wahl auf Patrick Doyle, der dieser Aufgabe durchaus gewachsen schien: Bekannt zwar für seine expressiven Shakespearemanöver mit Schauspielerregisseur Kenneth Branagh, hatte der Brite auch veritable Abenteuer- und Jugendfilmmusiken abgeliefert (GESTRANDET, DAS WEISSE ZAUBERPFERD, DAS MAGISCHE SCHWERT) und stand John Williams im Finden ausdrucksstarker Motive und Melodien kaum nach.

Stark und selbstbewußt formuliert Doyle denn auch sein musikalisches Entrée zu HARRY POTTER UND DER FEUERKELCH: Rhythmisch akzentuierte Streicher, dumpf schlagende Trommeln, bedrohlich brummendes Blech und aufgeregte Holzbläser navigieren zum einzig verbliebenen Williams-Thema („Hedwig’s Theme“), um es flink zu umspielen und sogleich wieder hinter sich zu lassen. Pflichterfüllung, möchte man meinen, doch dahinter steckt Methode: Im vierten Teil tritt das Böse endgültig aus dem Schatten. Zeit für finstere Töne, die Doyle nach dem Quidditch-Weltcup mit seinem aufsteigenden, von tiefen Posaunen interpretierten Voldemort-Motiv manifestiert. Aber der Film bietet auch reichlich Raum für Zerstreuung, die der Komponist multithematisch einfängt: etwa im sehnsüchtig schwelgenden Thema für Harrys erste Liebe, in Nevilles putzigem Walzer oder im kraftvollen Bläsersatz, mit dem das Trimagische Turnier eingeläutet wird.

Für die innige Freundschaft der Protagonisten komponiert Doyle schließlich eine cantable Hymne, die sich in Liedbearbeitung hervorragend als Abspannsong geeignet hätte. Interessant wird nun zu hören sein, wie sich die weniger thematisch motivierten Cues jenseits der auf CD gebannten Highlights im Vordergrund der Live-Aufführung bewähren werden.

[ Philipp J. Neumann ] Philipp fühlt sich inspiriert von CLUB DER TOTEN DICHTER, hat gelernt aus DAS SIEBENTE SIEGEL, ist gerührt von MAGNOLIA, hat sich wiedergefunden in THE SWEET HEREAFTER, wurde beinahe irr durch FARGO, ist für immer vernarrt in PONETTE und war schlicht plattgedrückt von DER HERR DER RINGE.

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