Label: Milan Records

Jackie

Mica Levi

Die Sehnsucht bestimmter Regisseure nach Frische und Originalität auf der Musikspur führt immer wieder interessante Neutöner und Quereinsteiger zur Filmkunst. Mica Levi, eine britische Sängerin und Komponistin, ist ein solcher Glücksfund. Für Jonathan Glazers UNDER THE SKIN schrieb sie 2013 ihren ersten Filmscore. Ein atmosphärisch dichtes Werk, das ihr postwendend den Europäischen Filmpreis einbrachte. JACKIE, ihre zweite Spielfilmkomposition, ist kammermusikalisch konzipiert. Streicher, Flöte, Klarinette, kleine Trommel, Vibraphon, Klavier – Levi mag es überschaubar. Auch im Tonsatz. Stilistisch läßt sie sich irgendwo zwischen Penderecki und Pärt verorten. Damit bewegt sie sich im musikalisch verstörenden, psychologisierenden Raum, den bereits das Intro markant auffächert. Abgesetzte Streicherglissandi, ein aufschwellender Flötenton, dazwischen: nichts.

Das Nichts, die Pause strukturiert Levis Partitur. Die Themen, die Phrasen und Titel hängen in der Luft, sie stolpern, kreisen, verharren, aber sie enden nicht. Als ob Levi der titelgebenden Protagonistin Freiraum zum Denken und Handeln lassen wolle. Erst gen Ende werden die musikalischen Bögen geschlossener. Allerdings nur, um mit akzentuiert tremolierenden Streichern in den End Credits wieder aufzubrechen. Das Gehörte war nur Fragment, Interpretation, Sichtweise.

[ Philipp J. Neumann ] Philipp fühlt sich inspiriert von CLUB DER TOTEN DICHTER, hat gelernt aus DAS SIEBENTE SIEGEL, ist gerührt von MAGNOLIA, hat sich wiedergefunden in THE SWEET HEREAFTER, wurde beinahe irr durch FARGO, ist für immer vernarrt in PONETTE und war schlicht plattgedrückt von DER HERR DER RINGE.

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