Label: Watertower Music

Joker

Hildur Guðnadóttir

Wer Island einmal besucht hat, vergißt die Vulkaninsel nimmermehr. Die spröde Landschaft, ihre karge, archaische Schönheit, die Art, wie sie im kalten Licht erscheint, all das übt auf den Betrachter eine Sogwirkung aus, die mit Worten kaum zu beschreiben ist. Mit Tönen allerdings schon. Die Kompositionen der Isländerin Hildur Guðnadóttir, insbesondere ihre kürzlich mit dem Golden Globe ausgezeichnete Musik zu JOKER, entfalten beim Hörer eine ähnliche Wirkung: ins Endlose gestreckte, archaische, erdende, ja fast erdige Texturen, die vom Flexen spröder Sounds durchbrochen werden. Themen heben sich, wenn überhaupt, nur zögerlich und lückenhaft aus den massigen Klangtiefen, wie Löcher in tief ziehenden Wolken, hinter denen am Horizont nur sporadisch Gebirgszüge erkennbar werden.

Dieses Schwerfällige, Schwermütige, Zeitauflösende möchte man „isländischen Klang“ taufen, einen Klang, den Guðnadóttirs Landsmann und geistiger Vater Jóhann Jóhannsson (ARRIVAL, SICARIO) in die Welt gebracht hat. Der Golden Globe ist auch eine posthume Ehrung für den 2018 zu früh verstorbenen Ausnahmekünstler.

[ Philipp J. Neumann ] Philipp fühlt sich inspiriert von CLUB DER TOTEN DICHTER, hat gelernt aus DAS SIEBENTE SIEGEL, ist gerührt von MAGNOLIA, hat sich wiedergefunden in THE SWEET HEREAFTER, wurde beinahe irr durch FARGO, ist für immer vernarrt in PONETTE und war schlicht plattgedrückt von DER HERR DER RINGE.

Lesezeichen: