Originaltitel: THE LAST BUS

GB/Vereinigte Arabische Emirate 2021, 86 min
FSK 6
Verleih: Capelight

Genre: Drama, Roadmovie

Darsteller: Timothy Spall, Phyllis Logan, Ben Ewing, Patricia Panther

Regie: Gillies MacKinnon

Kinostart: 11.08.22

Der Engländer, der in den Bus stieg und bis ans Ende der Welt fuhr

(Fahrt-)Ziel erreicht?

Ob Filme oder Menschen – es gibt welche, die ihr eigenes Ding durchziehen, und solche, denen es wahnsinnig wichtig ist, Sympathiepunkte zu sammeln. Wo sich unser ENGLÄNDER verortet, klärt allein schon die aufs Nötigste reduzierte Inhaltswiedergabe: Rentner Tom rennt beim Erfüllen einer Mission die Lebenszeit davon – 838 Meilen (~ 1350 Kilometer) plant er in Bussen zurückzulegen, um die Asche seiner kürzlich verstorbenen Frau an den Ort des einstigen Kennenlernens zu befördern.

Eigentlich will man jetzt das Taschentuch zücken, und tatsächlich hätte daraus etwas subtil Berührendes wachsen können. Allerdings mit weniger Ranschmeißen, mehr Eigensinn, individueller Persönlichkeit, die hier bloß Timothy Spall zu bescheinigen ist, dies jedoch in zum mimischen Vermächtnis geeigneten Maß. Der Rest taugt als schöne Ja-Sagerei. Lautes „Ja!“ tönt zu entschlossener Schwarzweißmalerei, wenn sich Toms Reisebekanntschaften ausschließlich entweder aus rassistischen/vorschriftsbesessenen/selbstverliebten Idioten oder jeden Moment abhebenden Engeln reiner Gnade rekrutieren. Ein praktisch hörbares „Ja, gib mir mehr Gefühl!“ begleitet seine Interpretation von „Amazing Grace“, die feierndes Jungvolk zu ergriffener Stille runterfährt. Und blieb noch Platz für einen über allerhand Rückblenden hinweg nachvollzogenen Schicksalsschlag oder bedeutungsschwangeres Liedgut? „Ja!“

Es mag zynisch klingen, eine so tief humane Geschichte zu kritisieren. Nur trifft es da Filme wie Menschen: gar zu stromlinienförmig macht uninteressant.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

Der Engländer, der in den Bus stieg und bis ans Ende der Welt fuhr ab heute im Kino in Leipzig