Originaltitel: MARIA MONTESSORI

F 2023, 101 min
FSK 0
Verleih: Neue Visionen

Genre: Drama, Biographie

Darsteller: Jasmine Trinca, Leïla Bekhti, Rafaelle Sonneville-Caby

Regie: Léa Todorov

Kinostart: 07.03.24

Maria Montessori

Bravo, Tina!

Die Montessori-Pädagogik mag den meisten und vor allem den Bildungsbürgern, die ihren Kindern Unterricht jenseits des klassischen Frontalunterrichts wünschen, ein Begriff sein. Daß nun der Gründerin Maria Montessori ein filmisches Denkmal gesetzt wurde, ist längst überfällig. Denn schon vor über 100 Jahren begann Montessori, die als eine der ersten Frauen in Italien Medizin studiert hatte, eine Lernmethode für Kinder mit geistigen und körperlichen Einschränkungen zu entwickeln. Die damalige – zumeist aus Männern bestehende – Wissenschaftselite interessierte sich allerdings kaum dafür, was „Idioten“ lernen können. Später übertrug Montessori ihre Beobachtungen auch auf Kinder aus sozial schwächeren Familien, und siehe da, auch sie konnten sich mit Liebe und Zuwendung ganz erstaunlich entwickeln.

Als Frau mit Herz und Leidenschaft, die gegen die Widerstände ihrer Zeit und für die Kinder kämpft, inszeniert die französische Regisseurin Léa Todorov ihre Heldin Maria Montessori. Dabei konzentriert sie sich auf ihre frühen und schicksalhaften Erwachsenenjahre, in denen sie gemeinsam mit ihrem heimlichen Geliebten Giuseppe Montesano das Heilinstitut für Kinder mit Behinderungen leitet. Die beiden haben einen Sohn, der bei einer Amme auf dem Land lebt. Als unverheiratetes Paar ist es zu dieser Zeit unmöglich, ein gemeinsames Kind aufzuziehen. Trotz dieser unfaßbaren Entbehrung weigert sich Maria, den Bund der Ehe einzugehen, da er das Ende ihrer beruflichen Karriere bedeuten würde. Todorow zeichnet also nicht nur das Bild einer starken und verletzlichen jungen Frau, sondern auch das einer zutiefst patriarchalen und frauenfeindlichen Gesellschaft.

Weiter verdeutlicht wird das durch die Figur der Lili, einer jungen Künstlerin und Lebedame, die ihre behinderte Tochter lange versteckt hielt und sie dann zu Montessori in Obhut gibt. Als Tina dort erstaunliche Fortschritte macht, ändert sich auch Lilis Sicht auf die Dinge. Das ist schön und geht ans Herz, genauso wie die feinfühlige Führung der Kinder, die im Institut endlich gesehen und wertgeschätzt werden. Der Film ist eine echte Bereicherung und öffnet den Blick für angewandte Montessori-Pädagogik, die bis heute aktuell aber leider nur wenigen Kindern zugänglich ist.

[ Claudia Euen ]

Maria Montessori ab heute im Kino in Leipzig

  • heute

    Passage Kinos: Preview | Inklusive eines Vortrags! 16:00

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