Originaltitel: SPENCER

D/GB/Chile 2021, 117 min
Verleih: DCM

Genre: Drama, Biographie

Darsteller: Kristen Stewart, Timothy Spall, Sally Hawkins

Regie: Pablo Larraín

Kinostart: 27.01.22

Spencer

Laßt Licht hinein!

Die Vorhänge sollen unbedingt geschlossen bleiben auf Landsitz Sandringham, wo die königliche Familie traditionell ihr Weihnachtsfest verbringt. Schließlich lauern Paparazzi überall, und deren Lieblingsobjekt ist Prinzessin Diana. Doch gerade sie kann sich nicht mit einem Leben hinter schwerem Samt arrangieren. Ihr fehlen Licht, Luft und vor allem menschliche Wärme. Die Beziehungen der Menschen sind so distanziert und abgezirkelt wie die weitläufige Architektur des Schlosses, dessen Räume durch ihren Luxus beeindrucken, wo alle jedoch permanent frieren, weil die Heizung abgedreht ist. Einzig ihren Söhnen ist Diana noch nah, die Ehe mit Prince Charles liegt Ende 1991 in ihren letzten Zügen. Er schenkt ihr dieselben Perlen wie seiner Geliebten, eine Demütigung für die so unsichere wie unglückliche Diana. 

Unwillkürlich fragt man sich, warum sich die junge Frau für ein solches Leben im goldenen Käfig entschieden hat, jedenfalls nicht aus übergroßer Liebe zum Prinzen von Wales. So legt es SPENCER zumindest nah, aber es ist nicht das Anliegen des Filmes, eine wie auch immer geartete biographische Wahrheit aufzudecken. Vielmehr ist er eine spekulative Momentaufnahme aus dem Leben einer Frau, die schon immer hinter ihrem öffentlichen Bild verschwand. Pablo Larraín zeigt in aller Ausführlichkeit bis zur Redundanz das Leiden der Prinzessin am strengen höfischen Protokoll. Er zeigt es in wahrhaft großartigen, genau durchkomponierten Bildern. Sie sind unterlegt mit einem oftmals dissonanten Score, der die Fremdheit der Hauptfigur in ihrer Umgebung unterstreicht.

Nach JACKIE widmet sich der Chilene, der mit punktgenauen Analysen der gesellschaftlichen Abgründe seines Heimatlandes bekannt wurde, zum zweiten Mal dem Leiden einer weiblichen Ikone. Das öffentliche Bild von Luxus und Macht beider Frauen steht bei ihm in scharfem Gegensatz zu ihrer inneren Verzweiflung. Doch sowohl Jackie als auch Diana schaffen es letztlich, ihr Leben in die eigenen Hände zu nehmen und sich aus dem ehernen Korsett von Regeln und Erwartungen zu befreien.  

SPENCER ist zweifellos eine One-Woman-Show seiner großartigen Hauptdarstellerin Kristen Stewart, die weit über ihre physische Ähnlichkeit zum Original hinausgeht. Stewarts Diana balanciert ständig auf dem schmalen Grat zwischen Verletzlichkeit und Stärke. Damit berührt sie selbst diejenigen, denen der Medienwirbel um Lady Di suspekt ist.

[ Dörthe Gromes ]