Originaltitel: LES GARÇONS ET GUILLAUME, À TABLE!

F 2013, 85 min
FSK 12
Verleih: Concorde

Genre: Komödie, Biographie

Darsteller: Guillaume Gallienne, André Marcon, Nanou Garcia, Diane Kruger, Götz Otto

Regie: Guillaume Gallienne

Kinostart: 05.06.14

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Maman und ich

Der dritte Sohn ist eine Tochter

Mit Verlaub, dieser Film ist komisch. Er wird spalten und zusammenführen, Köpfe zum Schütteln wie Nicken bringen, wird bestätigen, daß das France-Cinema so viel mutiger ist als anderes oder gleichsam alte Vermutungen nähren, daß der Nachbar dann eben doch nicht alle Latten am Zaun hat. MAMAN UND ICH ist vor allem eines: Kintopp. In seinen besten Momenten göttlich lustig und traurig zugleich, in den eher flachen nur albern und ermüdend.

„Kann es etwas Ehrlicheres geben als einen Schauspieler, der ganz intim davon erzählt, wie er zum Schauspieler geworden ist?“, fragt Guillaume Gallienne, Regisseur, Autor und Darsteller der Doppelhauptrolle. Also personalisiert er die Leinwandadaption seines Bühnenstücks. Es sei Galliennes Wahrheit der eigenen Biographie. Sogar Mutters fieser Spruch, den sie immer wieder fallen ließ, sei verbürgt: „Jungs und Guillaume, zu Tisch!“ Der dritte Sohn hätte eine Tochter werden sollen, also wurde er kurzerhand zu einer gemacht. Guillaume fügt sich vor lauter Bewunderung für das Weibliche, allen voran Maman. Allerdings wird er inner- und außerfamiliär flugs als Mensch mit schwerst homosexueller Tendenz dechiffriert. Vater ermahnt seinen Jüngsten, endlich Sport zu treiben, rät ihm zu Fußball, Judo oder Boxen, während sich Guillaume eher als Pianoathlet sieht. Erspart bleibt dem heranpubertierenden Knaben nichts: Ein Sprachurlaub in Spanien weckt die Liebe zum Solotanz, wobei er sich dort genauso mädchengleich bewegt wie beim nächtlichen Sissi-Spiel mit Bettdecke um die Hüfte. Ein Internat in England mit Reiten, Rudern, Cricket ist Vorhof zur Hölle, die Hölle selbst ist der Militärdienst, dem Guillaume knapp entkommt – allerdings nicht ohne eine Couchkarriere bei Psychoklempnern jeglicher Couleur zu starten. Von Götz Otto bekommt er eine Hardrock-Massage, von Diane Kruger den Hintern gespült. Bis er sich das erste Mal so richtig verliebt. Die Tante sollte recht behalten: „Ist es ein Junge, bist du wirklich schwul, ist es ein Mädchen, eben nicht.“

Guillaume Gallienne wurde mit MAMAN UND ICH in Frankreichs Theater- und Kinosälen frenetisch gefeiert. Wenn er lustvoll und einfallsreich, zärtlich und beschwingt mit diesem umgedrehten Coming-Out spielt, weiß auch der deutsche Zuschauer, weshalb. Wenn ihm immer wieder das Tempo abhanden kommt, die Gags zu billig werden und der ewige Off-Kommentar nervt, eher nicht.

[ Andreas Körner ]