[ 29.01.2026 ] Wer soll sich das anschauen? Eine Frage, die ich mir in letzter Zeit zu oft stelle. Man könnte um ein „alles“ ergänzen, aber mir geht es nicht allein ums Quantitative. Letztlich ist es eine Frage, die sich alle, die das Kino lieben, zwingend stellen sollten – Produzenten, Autoren, Regisseure, Förderer, Verleiher, Kinobetreiber ... Denn was gerade in den letzten Jahren noch einmal extrem zugenommen hat, was dem Kino gewiß nicht guttut, was ein an sich der schönsten aller Künste zugetanes Publikum ganz sicher vergrault, ist die Überzahl an Filmen und daraus resultierend deren viel zu häufige Mittelmäßigkeit.
In den deutschen Kinos sind 2025 – je nach Berechnungsgrundlage – an die 1000 Filme an den Start gegangen, Wiederaufführungen inklusive. So viel wie noch nie, zu viel in jedem Fall. Ich bin für keinerlei Geschmackspolizei, aber pro Woche im Schnitt 20 Filmstarts überfordern einfach alle – Kinomacher, Journalisten, Vermarkter und vor allem das Publikum. Allein durch die Vielzahl der Filme liegt es doch auf der Hand, daß sich qualitativ häufig sogar Unterdurchschnittliches in diesem Überangebot tummelt. Der Kinobesuch als wohlüberlegte, gut geplante und das Verlassen der eigenen vier Wände notwendig machende Abendgestaltung wird einbüßen, wenn Enttäuschungen ob der gebotenen Qualität zunehmen.
Greift der Zuschauer einmal daneben, sagt er „kann passieren“, beim zweiten Mal jedoch ist er weg, vermutlich für sehr lange oder im schlimmsten Fall für immer. Beim bequem von der heimischen Couch anwählbaren Streamer klickt man einfach auf andere „Empfehlungen“, wenn sich Erwartungen nicht erfüllen, der Abo-Preis macht weniger wählerisch. Aber so funktioniert Kino zum Glück nicht, noch greift der Vergleich von Boutique und Grabbeltisch beim Blick aufs Gemeinschaftserlebnis im Kinosaal und das solitäre Durchprobieren beim Streamingdienst, aber es ist an uns als Branche, strenger mit uns zu sein und sich dabei weder über das Publikum zu stellen noch es auszuladen. Beliebigkeit indes ist das Aus!
Ist alles leichter gesagt als getan, was mir völlig klar ist, aber es muß uns als Branche bewußter sein, und wir sollten wirklich nicht allein auf Umsätze starren, die womöglich teilweise auch bei sinkenden Besucherzahlen aufgrund von Marktentwicklungen steigen. Für mich und nicht wenige meiner geschätzten Kollegen aus Verleih und Abspiel zählt ohnehin als einzig relevante Währung der einzelne Besucher. Den müssen wir ernstnehmen, dem müssen wir weiterhin den Kinobesuch als uniques Erlebnis von möglichst hoher Qualität bieten. Und klar: Ein Kinofilm kann nicht immer im ursprünglichen Sinne originär sein, originell aber schon. Ich wünschte mir für eine greifbare Zukunft des Kinos ein reichhaltiges und herzblutiges Film-angebot eben genau dort, so daß der Zuschauer die Eingangsfrage ummünzt zu einem: „Das will ich mir alles anschauen!“
Tolle Filmentdeckungen wünscht
[ Michael Eckhardt ] Michael mag Filme, denen man das schlagende Herz seiner Macher auch ansieht. Daher sind unter den Filmemachern seine Favoriten Pedro Almodóvar, Xavier Dolan, François Ozon, Patrice Leconte, Luis Buñuel, John Waters, François Truffaut, Pier Paolo Pasolini, Ingmar Bergman. Er mag aber auch Woody Allen, Michael Haneke, Hans Christian Schmid, Larry Clark, Gus Van Sant, Andreas Dresen, Tim Burton und Claude Chabrol ...
Bei den Darstellern stehen ganz weit oben in Michaels Gunst: Romy Schneider, Julianne Moore, Penélope Cruz, Gerard Depardieu, Kate Winslet, Jean Gabin, Valeria Bruni-Tedeschi, Vincent Cassel, Margherita Buy, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert ...
Eine große Leidenschaft hat Michael außerdem und ganz allgemein für den französischen Film.