D/CH 2025, 128 min
Verleih: X Verleih

Genre: Drama, Poesie

Darsteller: Luna Wedler, Karl Markovics, Lars Eidinger, Dominique Pinon, Barbara Stucky

Regie: Nicolas Steiner

Kinostart: 19.02.26

Sie glauben an Engel, Herr Drowak?

Spinnert? Unbedingt!

Nach dem -zigsten deutschen Sprechfilm über verworrene Beziehungen und sonstige Alltagsdramen verzieht der Cineast sein Antlitz gern hin zur sauren Jammergurke. Ja, die Franzosen! Die Italiener! Der Nordmann! Die können auch anders! Kommt dann mal ein hiesiges, völlig aus dem Erwartungsruder laufendes, kühn unterminierendes Kinostück, dampft Skepsis auf. Erinnert sei an Timm Krögers umnachteten Thriller DIE THEORIE VON ALLEM. Herrlich! Oder das, was Aaron Lehmann so verzapft. Spinnert? Unbedingt! Und das darf gleich so stehenbleiben. Es gibt personifizierte Parallelen. Luna Wedler und Karl Markovics begegnen sich nach WAS MAN VON HIER AUS SEHEN KANN erneut. Für den Regiestuhl aber brauchte es mit Dok-Spezi Nicolas Steiner einen Schweizer. Er nahm die Einladung zum Austoben dankend an. SIE GLAUBEN AN ENGEL, HERR DROWAK? impliziert eine zweite Antwort: Ja, wir glauben an das Überbordende der Phantasie im deutschsprachigen Film, an Mut und Stilwillen. Dieses Stück ist ein verspätetes Silvesterfeuerwerk – und gänzlich ohne Feinstaubbelastung.

Zunächst: Es liegt fortan im Fach „Schwarz-Weiß mit gelegentlichem Farbausflug.“ Das war jüngst schon bei DAS VERSCHWINDEN DES JOSEF MENGELE so. Auch dort wurden nur die Rückblenden bunt. So richtig bunt aber wird es bei DROWAK im Hier und Jetzt und Heute, wobei auch das noch zu klären wäre. Die Szenerie ist eher surrealistisch, losgelöst von vermeintlich bekannten Orten, bestenfalls in der Ahnung zu verifizieren. Herr Drowak ist Sozialfall erster Güte, haust vereinsamt in einer Messibuchte aus Beton inmitten der „Dreckslochsiedlung“, konsumiert intravenös Alkohol und beschmeißt die Vollstrecker vom „Amt für Ruhe und Ordnung“ mit Wasserbomben, die Pißbomben sind. Ausgerechnet die kesse und in ihrer Güte grundsolide Germanistikstudentin Lena soll Drowak das Grantige austreiben, in ihm als schreibtherapeutische Lebenslustbeschaffungsmaßnahme Poesie und Magie erwecken. Er kennt beides durchaus von früher, als er verliebt war. In eine Finnin.

Das und große Teile vom Rest müssen erlebt und erfahren werden. Hingebung ist vonnöten. Allein die Kamera! Sie vollführt im Perspektivwechsel ein paar waghalsige Christopher-Nolan-Drehungen, eine rote Ampel läuft schon mal aus, anstatt einfach nur zu verlöschen, ein kleines Kind zitiert Neruda, es gibt Etagenpagen im Flur, und andere wilde Ideen tanzen Kette und feixen an der Feuerschale.

[ Andreas Körner ]