D 2025, 104 min
Verleih: Constantin

Genre: Komödie

Darsteller: Sebastian Bezzel, Anna Schudt, Kya-Celina Barucki

Regie: Sönke Wortmann

Kinostart: 12.02.26

Die Ältern

Balsam für Männerseelen

Dem deutschen Kino geht’s bisweilen wie dem deutschen Mann: nicht so gut. Also seelisch. Sie kommen nicht mehr klar mit der fluiden Welt, dem Alles-ändert-sich-Streß, den Gewißheiten, die keine mehr sind. Dabei meinen sie (also Mann und Kino) es doch nur gut und wollen nur das Beste: Daß nämlich einfach alles bleibt, wie es immer war.

So wie dieser Hannes zum Beispiel, der uns jetzt in Sönke Wortmanns neuem Film DIE ÄLTERN vorgestellt wird. Als Bestseller-Autor hat Hannes sich mit einer Romanreihe Bekanntheit und Wohlstand erschrieben. Nur ist der große Erfolg schon einige Jahre her, und selbst die treuesten Fans spüren, daß da kreativ inzwischen gehörig was abgeschlafft ist. Vom nörgelnden Verlag ganz zu schweigen. Hinzu kommt, daß es auch privat schon besser lief. Frau Sara will eine Beziehungspause, Tochter Clara sowieso ausziehen, und Filius Nick will eigentlich gar nichts. Also außer abhängen. Und dann knarrt auch noch eine Treppenstufe im Reihenhaus solider Bilderbuchbürgerlichkeit sehr altwestdeutschen Zuschnitts.

DIE ÄLTERN ist ein typischer Wortmann-Film. Und das ist jetzt nicht despektierlich gemeint. Weil es ja auch lustig ist (oder sein kann) zuzusehen, wie saturierte Typen, die mental und intellektuell offenbar noch immer in der seligen Kanzler-Kohl-Ära stecken, mit einer Gegenwart kollidieren, die sie nicht mehr verstehen. Die besseren Wortmann-Werke gerieren aus dieser in ihnen immer wederkehrenden Grundprämisse durchaus Witz. Und das auch ob einer bestimmten Unschärfe: Ist hier die Trennlinie zwischen nur dargestellter und einer den Filmen selbst immanenten Biederkeit doch so eindeutig oft nicht.

Trifft auch auf DIE ÄLTERN zu. Wo sonst das Klischee vom Mann in der Midlife Crisis besagten Mann zu neuen Ufern treibt, fühlt Hannes sich im sicheren Hafen seines Daseins ganz behaglich. Folglich sind es jene, die nicht mehr so Bock drauf haben, im Brackwasser des Altgewohnten zu dümpeln (die Frauen, die Jugend, der Publikumsgeschmack), die dem armen Hannes den berühmten Wind der Veränderung um die Nase pusten. Ein Wind, der hier freilich als mildes Lüftchen einer milden Komödie weht. Bleibt DIE ÄLTERN doch fest verankert im sicheren Hafen der erzählerischen Konventionen. Kino als Seelenbalsam einer Heiterkeit für alle, die es gern so haben, wie es immer war.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.