Originaltitel: THE PRESIDENTS CAKE

USA/Irak/Katar 2025, 105 min
FSK 6
Verleih: Vuelta

Genre: Drama, Roadmovie

Darsteller: Baneen Ahmed Nayyef, Sajad Mohamad Qasem, Rahim AlHaj

Regie: Hasan Hadi

Kinostart: 05.02.26

Ein Kuchen für den Präsidenten

… und Körper und Seele

Viele Potentaten sind schier unersättlich, der bloße Gehorsam ihrer Untertanen genügt ihnen nicht. Sie wollen sich die Menschen vollständig einverleiben. „Unser Blut und unsere Seelen für Saddam“, schreien die irakischen Schulkinder im Unterricht, wo Indoktrination das wichtigste Fach ist. Solche Propaganda funktioniert überall nach dem gleichen Muster, allerdings ist sie im Irak in den 90ern viel omnipräsenter und repressiver als in anderen Ländern. Und Leib und Leben zu opfern war keineswegs nur eine rhetorische Forderung.

Zu den Liebesgaben für den allmächtigen Anführer gehörte es auch, daß ein Kind aus jeder Klasse dem Präsidenten zu seinem Geburtstag am 28. April einen Kuchen backen muß – der dann gemeinschaftlich verzehrt wird. Nun leidet das Land während des Zweiten Golfkrieges unter den amerikanischen Sanktionen. Die Dinge des täglichen Bedarfs sind schwer zu bekommen und sehr teuer. Gebäck ist unter diesen Umständen ein Ding der Unmöglichkeit. Und so schluckt die 9jährige Lamia schwer, als sie das verhängnisvolle Los zieht, alle Gebete und Tricks haben nichts geholfen. Die Waise lebt mit ihrer kranken Großmutter in einem traditionellen Schilfhaus in den Marschlandschaften von Euphrat und Tigris im Südirak. Eine uralte Kulturlandschaft, in der sich die Menschen überwiegend mit einfachen Booten fortbewegen. Doch keinen Kuchen zu bringen, würde als Zeichen von Ungehorsam gegen Saddam Hussein gedeutet und schwer bestraft. Und so beginnt für das Mädchen eine Odyssee durch die nächstgelegene Stadt auf der Suche nach den Zutaten für das Backwerk. Begleitet wird das Mädchen von ihrem zahmen Hahn Hindi, den sie in einem Beutel überall hin mitnimmt, und ihrem gewitzten Schulfreund Saeed.

Hasan Hadi nutzt diese einfache Prämisse, um auf Lamias Reise wesentliche Institutionen des Landes zu zeigen: Schule, Markt, Polizei, Krankenhaus, Restaurant, Moschee. So entsteht der Querschnitt eines von Krieg, Unterdrückung und Repression gepeinigten Landes. Soldaten und Verletzte sind allgegenwärtig. Mitleid oder Hilfsbereitschaft sind unter diesen Umständen rare Güter, und doch gibt es sie. Trotz dieser deprimierenden Umstände ist dies kein düsterer Film. Vielmehr folgt man den Kindern fasziniert durch eine Welt, die man allenfalls aus Nachrichtenbildern kennt. Allerdings überzuckert Hadi nichts in seinem von der eigenen Biographie inspirierten Spielfilmdebüt. Der Preis, den Lamia für ihren Kuchen, zahlt ist hoch. Sehr hoch.

[ Dörthe Gromes ]

Ein Kuchen für den Präsidenten ab heute im Kino in Leipzig

  • So 01.02.2026

    Passage Kinos: Preview 11:30

    Alle Angaben ohne Gewähr!