Originaltitel: MADE IN EU

Bulgarien/D/Tschechische Republik 2025, 108 min
Verleih: JIP

Genre: Drama

Darsteller: Gergana Pletnyova, Todor Kotsev, Gerasim Georgiev

Regie: Stephan Komandarev

Kinostart: 19.02.26

Made In EU

Die erste Patientin

„Muß man hier wirklich erst umkippen, bevor man krankgeschrieben wird?“ Die Geschichte, die Stephan Komandarevs neuer Film über das Arbeiten und Ausbeuten der Gegenwart erzählt, spricht früh aus einem geschwächten Körper. Iva, eine Fabrikarbeiterin, hat Husten und Fieber, aber mit einer Schonung ist nicht zu rechnen. Krankschreibungen will sich niemand leisten. Auch Iva selbst kann und will nicht auf die dringend benötigte Bonuszahlung verzichten. MADE IN EU ist dabei unmißverständlich in seiner Kapitalismuskritik. Seine Bilder aus einer bulgarischen Fabrik, in der Näherinnen eng an eng ihrer Tätigkeit nachgehen, immer unter Aufsicht ihres strengen Chefs, bedrücken ab den ersten Minuten. Dann bricht Chaos aus: Es ist das Jahr 2020 und Iva die erste registrierte Covid-Patientin. Kolleginnen stecken sich an. Die Fabrik wird geschlossen. Der Schuldenberg wächst, und auf Iva entbrennt eine Hexenjagd.

Komandarevs Sozialrealismus schwingt sich damit zu einer Parabel empor, die demonstrieren will, wie Existenzängste im Kapitalismus mit der Konstruktion von Sündenböcken einhergehen. Die personifizierte Krankheit, von der MADE IN EU erzählt, ist dafür nur ein Beispiel. Man könnte es ebenso auf Diskurse über Arbeitslose oder Migranten beziehen. Der Film mutet manchmal arg vereinfachend konstruiert an, gerade dann, wenn es um die Annäherung an die Jugend geht. Er entdeckt jedoch durchaus eine Lücke im Kino.

Es gab schon Filme, die etwas über ein soziales Klima, Radikalisierung oder Einsamkeit in der Pandemie erzählen wollten. Daß ein Film in diesem Kontext aber so kritisch auf eine ökonomische Arbeiterrealität schaut, gab es bisher kaum und vor allem nicht so spannend und aufrüttelnd zu erleben.

[ Janick Nolting ]