Originaltitel: NO OTHER CHOICE
Südkorea 2025, 139 min
FSK 16
Verleih: Plaion
Genre: Drama, Thriller
Darsteller: Lee Byung-hun, Son Ye-jin, Park Hee-soon
Regie: Park Chan-wook
Kinostart: 05.02.26
Zunächst zögert er noch. Den Blumentopf hält er drohend über den Kopf. Schmutzwasser tröpfelt auf die Haare, als sei der Mann nicht schon genug gedemütigt worden. Doch sein finaler Wurf, sein Attentat hoch oben vom Gebäude herab; das schlägt fehl. Noch! Es dauert nicht lang und NO OTHER CHOICE kreiert eine Abfolge von Gewalttaten, die mit aller Brutalität, wenngleich nicht frei von Pannen, voranschreiten.
Park Chan-wook, der mit OLDBOY seinen größten Kultfilm inszenierte, zählt nicht ohne Grund zu den renommiertesten Filmemachern der Gegenwart. Im Vergleich zu seinem letzten Werk, dem Krimi-Verwirrspiel DIE FRAU IM NEBEL, fährt der südkoreanische Regisseur sein ausgetüfteltes Spiel mit der Montage und überraschenden Kameraeinstellungen dieses Mal ein wenig zurück. Dafür gelingt ihm eine erzählerisch deutlich stringentere, klarer entwickelte Satire. NO OTHER CHOICE zerlegt die Wohlstandsillusion einer Familie. Plötzlich steht das Vorzeigedasein auf der Kippe, als der Vater seinen Job in der Papierfabrik verliert. Aber was tut man nicht alles in diesem System der Eigenverantwortung und absurden Affirmationstechniken, um sich oben zu halten? Kurzerhand schmiedet Man-su, so heißt der Protagonist, einen Plan, um auf dem Arbeitsmarkt einen Konkurrenten nach dem anderen auszuschalten. Er will die Schmach der Kündigung nicht auf sich sitzen lassen, und dafür ist ihm jedes Mittel recht.
Park hat damit den Roman „The Ax“ von 1997 adaptiert, der schon einmal von Costa-Gavras verfilmt wurde. Erstaunlich ist allein, wie elegant der Regisseur verschiedene Genres ineinander übergehen läßt. Er zeigt sein Talent sowohl in der schwarzen Komödie als auch im Familiendrama und in den Suspense-Momenten. NO OTHER CHOICE entwickelt sich zu einer perfiden Mördergeschichte. Seine Auseinandersetzung mit Rationalisierung und Wettbewerb gelangt zu brisanten Pointen und schlägt nach all dem verschränkten Witz und Schrecken erstaunlich melancholische Töne an. Aus der reinen Schadenfreude wird so eine Warnung und aus der Brutalität eine bittere Dystopie. Das überzeichnete Konkurrenzverhältnis bildet schließlich nur die Spitze des Eisberges. Denn was passiert irgendwann mit all den Menschen, die ihre Arbeitskraft verkaufen müssen, aber in dieser Welt längst überflüssig geworden sind?
[ Janick Nolting ]
Passage Kinos: Preview im OmU 20:30
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