Robert, Tara, Nia alias Vater, Mutter, Kind – die klassische Konstellation eben, das eitle Glück. Theoretisch. Praktisch knirscht’s an allen Ecken, im ganzen Konstrukt, ein Griechenlandaufenthalt soll Heilung wirken, weg von daheim, ruft aber letztlich Roberts jüngeren Bruder herbei und bringt noch härteren Streß.
Es bleibe dahingestellt, wen ein solches Thema erreichen, aufwühlen oder gar unterhalten will, generell. Fakt ist, daß Regisseurin Judith Angerbauer anfangs einiges Gespür für Stimmungen beweist, nicht nur visuell bemerkenswerte Perspektiven findet, auf Spannungen reagiert, Körper sprechen läßt – etwa, wenn sich Tara genervt am wie immer konzentriert arbeitenden Robert vorbeiquetscht, ihn stumm straft. Hätte Angerbauer diese Zurücknahme beibehalten, vielleicht Anflüge dunkelbitteren Humors eingeflochten, wäre jenes x-te Porträt dysfunktionalen (Klein-)Familienalltags ein herausstechender Beitrag im hiesigen Filmallerlei gewesen. Hätte.
Doch man ahnt Übles, als Tara, die natürlich von Schreibblockaden geplagte Ex-Erfolgsautorin, nach empfangener Kritik sehr lebensnah ihren Laptop aus dem Fenster wirft. Und es geht tatsächlich so weiter; die folgenden Streitereien – inklusive verteilter Tiernamen – gellen hohl bis lächerlich, das Eigenreflexive, darunter Taras Gefühl schutzloser Nacktheit beim Texten, tönt banal, der Handlungsverlauf überhöht stetig (klar kommt die halbe bucklige Verwandtschaft zwecks Reingrätschens angereist, da Tragisches geschieht). Andererseits: Was erfreut, neben selbstgerechtem Rausgebrüll, den Deutschen mehr als lautstark ausgewalztes Jammern und Barmen?! Indirekte Frage oben wohl beantwortet …
D 2024, 99 min
Verleih: Farbfilm
Genre: Drama
Darsteller: Seyneb Saleh, Trystan Pütter, Sebastian Urzendowsky, Ulrike Willenbacher
Regie: Judith Angerbauer
Kinostart: 05.02.26
[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...