Originaltitel: DEAD OF WINTER
USA/D 2025, 98 min
Verleih: Leonine
Genre: Thriller, Action, Drama
Darsteller: Emma Thompson, Judy Greer, Marc Menchaca
Regie: Brian Kirk
Kinostart: 19.02.26
Die Landschaft ist weit, waldig, tief verschneit, saukalt, menschenleer und in alldem genau das, was Barb sucht. Eisfischen will sie, die freundlich-burschikose Lady. Und das unbedingt genau in dieser Einsamkeit und genau an jenem See hoch oben im Norden von Minnesota, wo sie einst schon mir ihrer großen Liebe Karl zum Eisfischen war. Und wo der ihr inmitten dieser grandios frostkalten Natur einen reizend herzerwärmenden Heiratsantrag machte. Jahrzehnte eines gemeinsamen Lebens ist das schon her: Karl ist vor kurzem gestorben, der Schmerz brennt noch in Barb. Trost, Ruhe, die Erinnerungen und natürlich die Hoffnung auf ein paar fangfrische Fische – das ist es, was Barb wieder in diese Wildnis führt. Nur ist sie dort dummerweise dann doch nicht so allein wie erhofft … DEAD OF WINTER ist ein Thriller nach Standardrezept, ein Standardthriller aber eher nicht. Das liegt erst einmal ganz maßgeblich am wunderbar präsenten Charakterspiel Emma Thompsons als Barb. Und an deren Kollision mit zwei Bösewichtern, die dann zwar tatsächlich auch einiges an Boshaftigkeit aufbieten, darin aber eher den Gesetzen abgrundtiefer Verzweiflung als nur einem diabolischen Charakter unterworfen sind.
Regisseur Brian Kirk erzählt von dieser Kollision in klassischer Manier. Schritt für Schritt die Geschichte vorantreibend, zügig, aber ohne Hast an der Spannungsschraube drehend. Da stößt Barb in der Wildnis erst auf eine Hütte im Wald, behaust von einem echten Hinterwäldler-Isegrim. Da sind Blutspuren im Schnee, liegt Bedrohung in der Luft, zieht ein Blizzard auf. Und erscheint eine Frau, so ausgezehrt wie besessen, die zusammen mit Isegrim einen Plan umsetzen will, in dem wiederum dem völlig verängstigten Mädchen, das die beiden im Keller gefangen halten, eine grausame Bestimmung zufällt.
Natürlich: DEAD OF WINTER erfindet nichts neu. Aber wie der Film sein Genre bedient, ist von gekonnter Dichte und Stringenz. Hinzukommt, daß hier zwei Frauen die Gut-Böse-Pole markieren. Nicht, daß die sich dann was schenken im zunehmend blutigen Kampf miteinander – nur ist diesem Kampf dann auch eine Tragik eingewoben, die DEAD OF WINTER das entscheidende Quantum über den Standard hinaushebt.
[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.