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Durst

Monströse Emanzipation, Blut und Sex

Auf diese simple Formel ließe sich das neue Werk des auch in Deutschland durch seine Rache-Trilogie bekannten Regisseurs Park Chan-wook bei oberflächlicher Betrachtung herunterbrechen. Doch würde man dem Horrordrama damit Unrecht tun; deswegen ganz von Anfang an.

Wir lernen Sang-hyun kennen, einen katholischen Priester, der sich für ein Experiment zur Verfügung stellt, welches die Impfstoffentwicklung gegen einen tödlichen Virus zum Ziel hat. Leider stirbt er dabei an besagtem Erreger, erwacht jedoch wundersamerweise wieder zum Leben und geht nun als Vampir durch die Welt. Wobei Erklärungen nicht eben Chan-wooks Sache sind, man muß es halt so akzeptieren. Auch Sang-hyun kann seinen Durst nach menschlichem Blut nur hinnehmen und versuchen, ihn mit dem eigenen Glauben zu vereinbaren, weswegen er in grausam schönen Szenen vorrangig Komapatienten zur Ader läßt.

Dann läuft ihm Tae-ju über den Weg, ein verhuschtes Mädel, ausgebeutet vom ständig jammernden Gatten und der versoffenen Schwiegermutter. Dieses Treffen zweier von vornherein verlorener Seelen führt zur verzweifelten Liebe, sinnlichem Vergnügen und schließlich Sang-hyuns Biß in Tae-jus Hals. Nun ebenfalls eine Blutsaugerin, streift das graue Mäuschen alle Hemmungen ab und mutiert zur Bestie.

Irgendwie kann Chan-wook dabei zwar eine gewisse Langatmigkeit, vor allem in den ausgewalzten Erotikszenen, oder das bekannt gewöhnungsbedürftige asiatische Humorverständnis unterstellt werden. Dennoch fasziniert sein teils entschlossen blutrünstiger Reigen, vor allem wegen einer ausgefeilten Visualität: Ob Lichteffekte, Farbspiele oder grandiose Bildsprache, die Optik fesselt über mehr als zwei Stunden hinweg immer aufs Neue. Und bleibt jedem Zynismus trotzdend selbst im zwangsläufigen Finale nicht nur stets fies-romantisch, sondern wartet außerdem mit lohnenden Subtexten auf. Wenn zum Beispiel von Vampirismus als Infektionskrankheit die Rede ist, eine Übertragung durch Küsse indes explizit ausgeschlossen wird, eröffnet sich neben der generellen Unmoral (blutsaugender Priester!) fast automatisch eine moderne HIV-Lesart dieses Themas.

Wer also mag, der untersuche DURST auf vielerlei Metaebenen. Doch auch weniger interpretationswütige Menschen können immer noch einen Vampirfilm sichten, welcher das Genre sicher nicht unbedingt revolutioniert, aber ohne Zweifel bereichert.

Originaltitel: BAKJWI

Südkorea 2009, 133 min
Verleih: MFA

Genre: Horror, Drama, Erotik

Darsteller: Song Kang-ho, Kim Ok-vin, Shin Ha-kyun, Kim Hae-sook, Park In-hwan

Regie: Park Chan-wook

Kinostart: 18.02.10

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...