D 2026, 98 min
Verleih: Leonine
Genre: Komödie, Romantik
Darsteller: Iris Berben, Heiner Lauterbach, Amira Demirkiran, Maya Lauterbach
Regie: Marc Rothemund
Kinostart: 26.02.26
Durchatmen, das ist nicht „Faust“, sondern, zumindest laut Verleih, die Liebeskomödie des Jahres – im Februar derartig Volltönendes zu behaupten, zeugt von formidablem Selbstbewußtsein. Respekt. Und Zustimmung? Nun ja. Geht so. Also … nein. Was immer noch kommen mag. Dabei stehen die Zeichen auf darstellerischer Ebene wirklich gut, mit Iris Berben und Heiner Lauterbach wurden per se zwei Könner engagiert. Wer sagt, daß Romantik lediglich unter Jungvolk funktioniert?! Bloß dürfen sie aus solch’ automatisch Sympathiepunkte generierendem Ansatz zu wenig rausholen.
Lauterbach mimt Walter, verwitwet und kein grundsätzlich schlechter Kerl, doch einer dieser „Ich bin ein toleranter Mensch, aber …“-Typen. Ein überpenibler Regelwerkler und Allesbewerter, Schubladendenker und Lieberdaheimbleiber. Nach 40 (pardon: 41!) Jahren trifft er seinen Jugendschwarm Alice wieder, die geistig weit flexiblere Professorin weiß sich vor Freude allerdings durchaus zu lassen, weswegen Iris Berben Gelegenheit zur Gesichtsentgleisung erhält: „Ach herrje!“ Leider hat sie damit die ihr dargebotenen mimischen Möglichkeiten bereits fast ausgeschöpft, abseits einiger Ironie-Attacken und überbrachten kunsthistorischen Lehrstoffs dient Alice quasi nur als Walters Love Interest, harrt weitgehend passiv der finalen Eroberung und spielt vorab Rühr-mich-nicht-an, wozu das Sammeln allerlei tatsächlich greifender Argumente gegen eine Neuverbindung zählt. Kurz vorm Ende, betrunken von reichlich entlang französischen Rituals genossener Grüner Fee, indes total egal, ein erstaunlich spontaner Schwenk führt dann zum selbstverständlich schon vor Filmbeginn klaren, wenigstens nicht komplett überzuckerten Happy End.
Auf dem Weg dahin gilt es, die heutzutage wohl unvermeidlichen Generationenkonflikte zu thematisieren, wobei Alice’ Studenten den vollkommen verknöcherten Walter therapieren, teilweise zudem umgekehrt was fürs Leben lernen. Ziemlich überflüssig, weil lang und breit ohne rechten Höhepunkt auf moralischen Wandel hininszeniert. Man hätte stattdessen gern viel mehr von einer deutlich ausgebauten Dynamik zwischen den beiden Hauptdarstellern genossen: Hier blicken, sprechen, zweifeln, lachen, erblühen, ahnen, necken, verabschieden, erkennen sich und berühren uns Mimen wahrlich alter Schule, die irgendwelche Werbe-Siegertreppchen gar nicht nötig haben.
[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...