D/Belgien/Kosovo 2020, 121 min
FSK 12
Verleih: Alamode

Genre: Drama, Thriller

Darsteller: Mišel Matičević, Sandra Hüller, Rainer Bock

Regie: Visar Morina

Kinostart: 20.08.20

1 Bewertung

Exil

Drinnen oder draußen?

Wer oder was bestimmt, ob man dazugehört, Teil eines Teams, einer Gemeinschaft, einer Familie ist? Der Pharmaingenieur Xhafer jedenfalls, der in irgendeiner deutschen Stadt mit Frau und Kindern ein biederes Mittelstandsleben führt, leidet an der schleichenden Isolation von seiner Umgebung. Beunruhigende Vorfälle häufen sich: Er bekommt wichtige E-Mails nicht, findet eine tote Ratte in seinem Briefkasten, irgendwann brennt gar der Kinderwagen vorm Haus. Wird Xhafer gemobbt, weil er aus dem Kosovo stammt? Oder liegt es an seiner kontrollierten, unzugänglichen Art, daß er im Grunde ein Fremder geblieben ist? Oder ist er vielleicht einfach nur ein Arschloch, wie ihm seine Frau Nora während eines Streits an den Kopf wirft?

Auf all diese Fragen gibt EXIL keine Antworten. In der Vermeidung von Eindeutigkeiten liegt gerade seine Stärke. Der Film ist eine packende Versuchsanordnung über Ausgrenzung und Zugehörigkeit. Regisseur Visar Morina legt Schicht für Schicht frei, ohne daß es eine letzte Gewißheit gäbe. Diese permanente Beunruhigung wird durch den artifiziellen Look, die minimalistische Inszenierung und das ausgefeilte Sounddesign des Films unterstrichen. In der Firma dominieren labyrinthartige Gänge und sterile Büros, Xhafers Zuhause ist eine kalte Wohlstandshölle aus Glas und Kunststoff. Den Bildern sind alle kräftigen Farben entzogen, es gibt kaum natürliches Licht. Die beklemmende Atmosphäre wird durch punktgenau eingesetzte Geräusche extrem verstärkt. Da wirkt selbst ein Klatschen bedrohlich. Diese formale und inhaltliche Radikalität macht EXIl zweifellos zu einem der stärksten deutschen Filme des Jahres.

[ Dörthe Gromes ]