D 2025, 87 min
FSK 12
Verleih: Rotzfrech

Genre: Dokumentation

Stab:
Regie: Alina Cyranek
Stimmen: Sandra Hüller

Kinostart: 12.02.26

Noch keine Bewertung

Fassaden

Gängig geht anders

Wenn sich Horizonte wirklich öffnen und nicht nur vorgeben, es zu tun, kann Kino viel erreichen, vor allem bei fragilen und komplexen Themen wie dem Mißbrauch von Frauen: erhellende Identifikation im dunklen Raum, das Freisetzen von Energie, Scham, Wut und Weckruf, natürlich auch die Debatte. FASSADEN ist nach EIN HAUFEN LIEBE der zweite lange Dokfilm der in Leipzig lebenden Regisseurin, Autorin und Produzentin Alina Cyranek. Ihm ist anzusehen und anzuhören, daß es um echte Spektralfarben und Nuancen gehen soll. Das ästhetische Konzept im Dokumentarischen fordert den individuellen Zugang offensiv heraus.

Cyraneks Idee war keinesfalls außergewöhnlich. Sie wollte, basierend auf der 2018 in Deutschland in Kraft getretenen Istanbul-Konvention des Europarates, wissen, welche „gesellschaftlichen und politischen Machtstrukturen die Sicherheit von Frauen verhindern oder fehlende Sicherheit gar befördern.“ Ihre intensive Recherche mit Betroffenen und jenen, die auf den Gebieten Ermittlung, Justiz, Medizin, Psychologie und Sozialarbeit am dichtesten an Fällen und Frauen dran sind, mündet dann aber in einen atemberaubenden Dokfilm, der sich nicht nur durch das hybride Kinoformat und die feine essayistische Note jeder Gängigkeit widersetzt. Diese eineinhalb Stunden triggern alle Sinne. Mit der Option auf Schleifspuren.

Es ist verblüffend, faszinierend und „tonangebend“, wie Schauspielerin Sandra Hüller den aus Originalzitaten von vier Frauen komprimierten Off-Text zu einer akustischen Figur verschmelzen läßt. Weit, sehr weit weg von Larmoyanz und manipulativer Befindlichkeit. Gesa Volland und Damian Gmür tanzen pur im schwarzen Raum und unter Stoff Choreographien von Sebastian Weber und damit Zärtlichkeit und Härte, Zuneigung und Abstoßung, also die Aggregatzustände einer weit mehr als toxisch anmutenden Paarbeziehung. Ein spannendes Sounddesign sowie stehende Zwischenbilder von Häusern und Fenstern appellieren an die eigene Wachheit zum Weiterdenken, die Musik und behutsam dosierte Animationen stützen eine stringente Balance, die auch eine kluge Expertenauswahl einschließt – den Polizeikommissar, zwei Sozialarbeiterinnen, die Fachärztin für Rechtsmedizin, eine Psychotherapeutin, eine Anwältin. In nüchternen Interviewsituationen gewähren sie im Studio Einblicke in Muster und Methoden. In aller Härte. Anders geht es nicht. Noch längst nicht!

[ Andreas Körner ]

Fassaden ab heute im Kino in Leipzig

  • Do 12.03.2026

    Luru Kino: Premiere | In Anwesenheit der Regisseurin! 19:00

    Alle Angaben ohne Gewähr!