Originaltitel: THE AMAZING MAURICE

D/GB/USA 2023, 93 min
FSK 6
Verleih: Telepool

Genre: Computeranimation, Literaturverfilmung, Kinderfilm

Stab:
Regie: Toby Genkel, Florian Westermann
Stimmen: Bastian Pastewka, Janin Ullmann, Jerry Hoffmann

Kinostart: 09.02.23

Maurice, der Kater

Ein Team für alle Felle

„Bei Geschichten kommt es darauf an, diejenigen zu wählen, die überdauern.“ Das heftet Terry Pratchetts identisch benannter Roman dem Leser ans Herz, zusammen mit unzähligen anderen klugen Abschweifungen, über ganze Dialoge ausgebreitetem Witz. Verfilmungen von Pratchetts Büchern müssen das allein aus Zeitschuld arg eindampfen und daher als Adaptionen scheitern – sie tun es regelmäßig. So auch hier.

Ersparen wir uns aber ein schrilles Fan-Lamento, was alles nicht richtig paßt, lösen den Vorlagenkleber, betrachten das Werk eigenständig und entdecken eine Story, die grundsätzlich wenig fleischig klingt, jedoch entlang vieler Untiefen an Präsenz zulegt: Maurice, ein ziemlich abgerissenes Katzenvieh, eine Bande Ratten, wegen des Verzehrs magischen Mülls hochbegabt, und Menschenjunge Keith queren das Land, inszenieren Rattenfänger-Scharaden und zocken leichtgläubiges Volk ab. Zumindest sieht Maurice darin seine Motivation, der Zaster soll in die Altersvorsorge fließen, angesichts neun Leben (sechs verbleibend) braucht’s eben massig Klimpergeld. Die Situation eskaliert indes in Bad Blintz, wo keinerlei Nahrungsmittel existieren, dafür neben den üblichen Klein- und Großkriminellen eine finstere Entität ihr Unwesen treibt, deren Macht zur tödlichen Bedrohung gerät …

Und schon ist man vollständig weggerissen von den niedlichsten Ratten seit RATATOUILLE, echte Persönlichkeiten wie Showman Sardinen oder Philosoph Gefährliche Bohnen, dazu Spielzeugmaus Mr. Klicki – die bei Pratchett oft seltsamen und nach Übersetzung schier schrecklichen Namen ergeben zur Abwechslung übrigens einigen Sinn – formen ein starkes und ausgesprochen liebenswertes Gespann. Fügt die neugewonnene Bildebene Humor hinzu, funktioniert er recht gut; gerade das sich erbarmungslos ins Wrestling werfende Huhn hätte dem Meisterautor selbst sicher jede Menge Freude bereitet. Und: Obwohl Technik klar über Inhalt dominiert, während geschmeidige Animation verzückt, schafft es Maurice im Gegensatz zu beispielsweise seinem gestiefelten Artgenossen, mancherorts die Katzenpfötchen auszufahren, philosophisch-lärmreduziert durch die zunehmende Dauer-Action zu schleichen. Immer dann spuken schemenhafte Fetzen Pratchettschen Geistes, ein leises, wehmütiges Seufzen, eine von Dank begleitete, überdauernde Erinnerung.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

Maurice, der Kater ab heute im Kino in Leipzig