Originaltitel: MEMORIA

Kolumbien/Thailand/F/D/Mexiko/Katar/GB/China 2021, 136 min
FSK 12
Verleih: Port au Prince

Genre: Drama

Darsteller: Tilda Swinton, Elkin Díaz, Jeanne Balibar

Regie: Apichatpong Weerasethakul

Kinostart: 05.05.22

1 Bewertung

Memoria

Und es hat „Klong!“ gemacht

Jessica freut sich, wurde sie doch eben als Inspiration für ein Gedicht gerühmt. Daß besagtes Poem Wortkombinationen à la „Verdorbene Wunde“ oder „Parfum des Verfalls“ findet – geschenkt! Ein Lichtblick in ihrem aufgewühlten Leben, sie plagen Schlafstörungen, seit ein Donnern die Nacht zerriß. Jessica weiß es genau zu definieren: „Es ist wie ein großer Ball aus Beton, der in einen Metallschacht fällt, der von Meerwasser umgeben ist.“ Das Erforschen dessen quälenden Ursprungs macht Fortschritte, als ein Tontechniker – vorm spurlosen Verschwinden – den Kinosound „Körper trifft Bett trifft Schlagholz“ modifiziert und damit den mysteriösen Knall exakt nachbildet. 

Irgendwie fast klar: Nur Tilda Swinton konnte Jessica spielen, ein ätherisches, entrücktes Wesen, immer zurückgehalten redend und sich langsam, nahezu unsicher (fort-)bewegend, ihre darstellerischen Mittel begrenzt auf Körpersprache und Stimme. Weil Mimik kaum sichtbar stattfinden kann, verhindert durch konsequentes Filmen in Totalen und wenigen Halbtotalen. Logisch für ein Traktat, welches stets die landschaftliche und geistige Weite sucht, konkrete Antworten verweigert, der von Gebrüll und Lärm verseuchten Moderne Stille entgegensetzt. Nicht unbedingt selten aber auch wie seine eigene Parodie anmutet, was der Faszination ein Bein stellt.

Jessicas Weg führt schließlich nach Kolumbien, wo sie einen Fischer trifft, der temporär zu sterben vermag. Und entscheidend zur Lösung des Rätsels beiträgt. Diese ergibt im Kontext des bisher Gesehenen zwar einigen eigenwilligen Sinn, separiert betrachtet fällt dem nervig geräuschvoll kauenden Sitznachbarn hingegen direkt das Popcorn aus dem Mund.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

Memoria ab heute im Kino in Leipzig