Originaltitel: SIDONIE AU JAPON

F/J 2023, 92 min
Verleih: Majestic

Genre: Drama, Liebe

Darsteller: Isabelle Huppert, August Diehl, Tsuyoshi Ihara, Yuko Itomi

Regie: Élise Girard

Kinostart: 11.07.24

Madame Sidonie in Japan

Behutsame Liebesgeschichte in Fernost

Bewegen sich Europäer filmisch in Japan, müssen sie demnächst mit dem Wenders rechnen. PERFECT DAYS wirkt nach. Die Französin Élise Girard ist für ihren Drittling mit zwei im Grunde Einheimischen vor der Kamera nach Fernost gereist, verfolgt also das eher gängige Muster kultureller Berührungen. Ansonsten ist an ihrer zu dritt ausgedachten und so klug wie zurückhaltend umgesetzten Geschichte nicht viel Gängiges.

Sidonie Perceval – der Name klingt schon literarisch genug – ist in der Tat Schriftstellerin. Ihr sehr persönliches, vor vier Jahrzehnten verfaßtes erstes Buch soll neu veröffentlicht werden, Sidonies japanischer Verleger Kenzo Mizoguchi hat sich nicht minder persönlich darum gekümmert und wird sie zunächst bei gesetzten Terminen und später bei dem, das sich einfach so ergibt, mit allem asiatischen Respekt betreuen. MADAME SIDONIE IN JAPAN – leider wurde zum Original wieder mal die „Madame“ angedeutscht – fremdelt, wacht mehr, als daß sie schläft, bekommt es bald aber mit den Konturen der Realität zu tun. Denn Antoine, ihr tödlich verunglückter Ehemann, taucht auf. Unvermittelt. Immer wieder. Fast echt, zum Reden nah.

Geister gehören in Japan zum Kulturbegriff, Kirschblüten und Tempel sowieso, und Rituale sind gesetzt. Perceval wird in diesem besonderen Liebesfilm, der leise wie behutsam von Abschied und Loslassen, Willkommen und Zufassen erzählt, ganz neu auf einen Menschen treffen, der sehr wichtig für den Rest ihres in reiferen Jahren angelangten Lebens werden könnte: sie selbst. Nur so kann sie noch einmal Platz schaffen für einen anderen an ihrer Seite.

[ Andreas Körner ]