Originaltitel: MI AMIGA EVA
Spanien 2025, 101 min
FSK 0
Verleih: Neue Visionen
Genre: Romantik, Komödie
Darsteller: Nora Navas, Rodrigo de la Serna, Juan Diego Botto, Fernanda Orazi
Regie: Cesc Gay
Kinostart: 11.12.25
Was lange währt, wird ja angeblich endlich gut. Das kann sogar für Ehen gelten – cleveres Investitionsmanagement vorausgesetzt, entschlossene Blickwinkelverschiebung, steile Lernkurven und Kommunikationsbereitschaft inklusive. Eva und ihr Gatte scheiterten dran, nach 25 Jahren hat die Gemeinsamkeit ihr offensichtliches Ende erreicht; macht man beim Essen mit Freunden dem Partner aus Gründen egozentrischer Eigenbespiegelung eine Szene, war’s das einfach. Absolut folgerichtig, daß nun ein einsames Herz deutlich schneller klopft, als es Drehbuchautor Alex begegnet. Nackt und nicht bloß darin sehr attraktiv, aber eben auch, außerdem frisch getrennt. Aus beiden Gesichtern ist das festgetackerte theatralische Grinsen kaum mehr wegzuwischen, es wird unsicherer Unfug geredet, also völlig klar: Hier sind zwei Menschen mittleren Alters rückwärts durch die Zeit gerast und erneut verknallte Teenager. Oder doch nur Eva? Eigentlich egal, jedenfalls ist es zurück, dieses schmerzlich vermißte Gefühl. Was allerdings konkret damit anfangen?
Regisseur Cesc Gay glückt sozusagen eine erwachsen gewordene Romantikkomödie, er zieht keine im doppelten Wortsinn komischen Verwicklungen an den Haaren herbei, sondern baut seiner Protagonistin ganz private Hürden, angefangen modernes Dating, eine per se komplett unbekannte Welt. Natürlich hilft es wenig weiter, wenn Evas Tochter dringend um Verzicht auf App-Einsatz bittet, des potentiell peinlichen Erkennens wegen. Dazu Stimmungsschwankungen, hallo Menopause! Und ohne Frage ist die emotionale Fallhöhe sowieso enorm, drohen Ängste das Ruder zu übernehmen.
So stolpert Eva von einer mal herrlich gallig, dann wieder berührend melancholisch inszenierten Kennenlernkatastrophe zur nächsten und steht meist allein da. Weil sie das amouröse Bäumchen-wechsel-Dich-Spiel weder begreift noch mitgehen will, all die offen gehaltenen Hintertürchen für vermeintlich interessantere Kandidatinnen oder das konsequente Treiben an der Oberfläche, aus Furcht vor Tiefe. Und parallel spukt ihr Alex nach, dessen Spuren verliefen sich indes. Wobei … Wer das lebensnahe Chaos final schließlich halbwegs hoffnungsvoll lichtet, darf vorab verraten sein: Leonard Cohen. Wer sonst?!
[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...