Originaltitel: JULIETTE AU PRINTEMPS

F 2024, 95 min
Verleih: Pandora

Genre: Komödie

Darsteller: Izïa Higelin, Sophie Guillemin, Salif Cissé, Jean-Pierre Darroussin, Noémie Lvovsky

Regie: Blandine Lenoir

Kinostart: 18.07.24

Juliette im Frühling

... als Brücke zum Sommer

Gottlob ist, wie so verdächtig üblich, keiner gestorben. Juliette reist aus Paris für zwei Wochen zur Familie in die Kleinstadt, eigentlich nur, um auf andere Gedanken zu kommen, sich Inspirationen zu holen für die Arbeit als Kinderbuchillustratorin, nach ihren Panikattacken zu sehen, und Omas Haus wird auch noch verkauft. Mit einer Option auf Liebe, zarten Erinnerungen an die Ente Norbert à l’Orange, einem Pflaster auf dem wunden Punkt ihres Lebenslaufs und weniger panisch fährt sie wieder weg von dort. JULIETTE IM FRÜHLING ist also ausnahmsweise ein sehr treffender, weil nicht aufbauschender Titel.

Die straffe Laufzeit von 95 Minuten vergeht zwischen Juliettes Ankunft und Abfahrt frisch, flott und nachdenklich genug mit innerbetrieblichen Schrulligkeiten, Abstrusitäten, Verlegenheiten sowie zugewandten Gesten und kleineren Ausbrüchen einer verbandelten Vier-Generationen-Sippe. Es gibt ungezwungen Nacktes und herrlich Fülliges im Gewächshaus, so, wie Gott es erschuf. Es gibt Fragiles zwischen Schwester und Schwester, zart Überdrehtes zwischen Mutter und ihrem zweiten Ich als nimmermüde Liebhaberin, vor allem aber sind da feine Antennen zwischen Single-Vater und Single-Tochter. Jean-Pierre Darroussin und Izia Hïgelin spielen dieses familiäre Puzzlestück grandios. Wie Papas Toast „Alter Kerl“ schmeckt, will man allerdings nicht unbedingt wissen.

Mit dem beherzten, nie aufdringlichen, wunderbar lärmfreien, einfach echt gefühlten Komödienschwung von JULIETTE IM FRÜHLING, basierend auf einer Graphic Novel, ist dieser französische Film eine wirklich sehr französische Brücke zwischen den Jahreszeiten im Kino.

[ Andreas Körner ]