Originaltitel: THE AFTERMATH

GB/D/USA 2019, 109 min
FSK 12
Verleih: Fox

Genre: Drama, Historie, Literaturverfilmung

Darsteller: Keira Nightley, Alexander Skarsgard, Jason Clarke

Regie: James Kent

Kinostart: 11.04.19

3 Bewertungen

Niemandsland (2019)

Melodramatisches Dreieck vor Nachkriegskulisse

Im Winter 1946 kommt die schöne britische Oberleutnants-Gattin Rachael am Bahnhof an. Der Dampf des Zuges, der gefrorene Atem, die perfekt anliegende Kleidung, der handliche Koffer, das makellose Make-up. Die erste Szene wirkt bereits wie ein Zitat. Wie oft haben wir diese Bilder schon gesehen?

Rachael und ihr Mann Lewis fahren durch das zerstörte Hamburg, für das er von Seiten der Militärverwaltung zuständig ist. Er denkt an die Menschen und ihr Schicksal, sie an ihr schon lange brachliegendes Familienleben. Ihre Hoffnung, dieses in einer frisch beschlagnahmten Villa wieder aufleben zu lassen, ist bald dahin. Ihr Mann bleibt für sie unerreichbar. Nicht mal allein sein kann sie in dieser Vila mit Blick auf die vereiste Elbe, die wie in einer Schneekugel eingefangen ist. Die deutschen Hausangestellten und auch die vorherigen Besitzer sind stets zugegen. Ihr Mann hat dem Architekten Stephan und seiner Tochter erlaubt, auf dem Dachboden zu wohnen. Diese humanistische Anwandlung kann Rachael lange nicht verstehen. Schließlich hört man überall, daß man den Deutschen nicht trauen soll. Und doch wird sie sich auf eine Affäre mit dem attraktiven Architekten einlassen.

Das emotionale Zentrum dieser Dreiecksgeschichte ist die Verlusterfahrung. Rachael und Lewis haben ihren Sohn, Stephan seine Frau in Bombenangriffen verloren. Im Kontrast zwischen der Villa und dem zerstörten Hamburg stehen sich zwei Dimensionen gegenüber: das persönliche Schicksal und die Tragik der Millionen. Doch auf keiner der Ebenen kann sich der Film wirklich entfalten. Immer wieder wechselt er aus der opulenten Villa zur Misere auf Hamburgs in Schutt und Asche gelegten Straßen. Mit größter Perfektion hat er die Ruinenlandschaft kreiert, doch es sind die immer gleichen Bilder, die immer gleichen dramatischen Handlungsmotive, mit denen sich der Film überlädt. Nichts als Zitate.

Die Roman-Verfilmung hatte ihre Chance. Sie hätte sich auf Rachaels verunsicherte Perspektive einlassen können. Sie hätte sich auf das Niemandsland, die Villa, konzentrieren können, in der britische auf deutsche Oberschicht stößt. Doch sie hätte diese Perspektive mit viel Zeit und Feingefühl entwickeln müssen. Vor allem aber wird die Chemie zwischen den Figuren nicht spürbar. Wenn Keira Knightley und Alexander Skarsgard einander umschleichen, erscheint das als reine Pflichterfüllung. Erotisches Knistern? Kaum.

[ Lars Meyer ] Im Zweifelsfall mag Lars lieber alte Filme. Seine persönlichen Klassiker: Filme von Jean-Luc Godard, Francois Truffaut, Woody Allen, Billy Wilder, Buster Keaton, Sergio Leone und diverse Western. Und zu den „Neuen“ gehören Filme von Kim Ki-Duk, Paul Thomas Anderson, Laurent Cantet, Ulrich Seidl, überhaupt Österreichisches und Skandinavisches, außerdem Dokfilme, die mit Bildern arbeiten statt mit Kommentaren. Filme zwischen den Genres. Und ganz viel mehr ...