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Where’s The Beer And When Do We Get Paid?

Glückssuche in Bayern

„Do You Know Frank Zappa?“ Wer diese Frage, welche die Regisseurinnen dieser Dokumentation den Leuten immer wieder stellen, mit „Nein“ beantwortet, dem wird auch der Name Jimmy Carl Black wenig sagen, handelt es sich beim Protagonisten ihres Musikerporträts doch um den Drummer von Zappas legendärer Band „Mothers Of Invention.“ Black wurde von Zappa stets als „The Indian Of The Group“ vorgestellt, denn durch Jimmys Adern fließt indianisches Blut. Als Zappa in den 60ern das Ruder bei den Mothers übernahm, versprach er seinen Band-Kollegen, daß er sie bald reich und berühmt machen werde.

Einen Teil dieses Versprechens hat Zappa auch gehalten, wie Black im Film etwas frustriert erklärt, denn berühmt ist Jimmy Carl bis heute, zumindest in der Gemeinde der eingefleischten Zappa-Fans. Zu Reichtum hat es der markante Drummer allerdings nie gebracht. Und wenn es für Beverly Hills nicht reicht, dann kann es den abgebrannten Vollblutmusiker schon mal nach Bayern verschlagen, genauer gesagt ins Dörfchen Siegsdorf, wo Black die letzten beiden Jahre seines Lebens verbrachte, bevor er 2008, drei Monate nach dem Ende der Dreharbeiten, verstarb. Ein Indianer in Niederbayern, dazu ein ehemaliger Weltstar, aus diesem Kuriosum speist die Doku ihre besten Szenen. Etwa jene, in der Black seine Sehnsucht zum Besten gibt, eine dieser Lederhosen mit eingesticktem Ortsnamen zu besitzen, die aber leider nur den niederbayrischen Eingeborenen vorbehalten sind.

Etwas mehr Konzentration auf das Thema des entwurzelten Musikers, der in der Fremde ein letztes Stück Glück für den Lebensabend gesucht und gefunden hat, hätte dem Porträt gutgetan. Denn die Schwäche dieser grundsätzlich sehr sympathischen Doku ist ihre etwas wahllose Zusammenstellung des Materials, das die Regisseurinnen über die gemeinsamen Monate mit dem charismatischen Musiker angesammelt haben. Jedenfalls dürften minutenlange Szenen, in denen die lebende Legende, als die sich Mr. Black im Film auch immer wieder gern selbst bezeichnet, seine selbstproduzierten CD-Booklets ausdruckt und ausgiebig betrachtet, selbst echten Fans etwas zu viel des Einblicks in den Muckeralltag sein. Das Vergnügen wird zusätzlich dadurch beeinträchtigt, daß die Tonspur kaum etwas vom Vermächtnis seines Stars hergibt, da Zappas Witwe keine Musik ihres Mannes für den Film genehmigte.

D 2012, 86 min
FSK 0
Verleih: Böller und Brot

Genre: Dokumentation, Biographie

Stab:
Regie: Willtrud Baier, Sigrun Köhler
Drehbuch: Willtrud Baier, Sigrun Köhler

Kinostart: 26.09.13

[ Paul Salisbury ] Paul mag vor allem Filme, die von einem Genre ausgehen und bei etwas Neuem ankommen. Dabei steht er vor allem auf Gangsterfilme, Western, Satire und Thriller, gern aus der Hand von Billy Wilder, Sam Peckinpah, Steven Soderbergh, Jim Jarmusch, den Coen-Brüdern oder Paul Thomas Anderson. Zu Pauls All-Time-Favs gehören DIE GLORREICHEN SIEBEN, TAXI DRIVER, ASPHALT COWBOY, SUNSET BOULEVARD, POINT BLANK ...