D/Österreich 2025, 115 min
FSK 16
Verleih: Real Fiction

Genre: Drama, Liebe

Darsteller: Marya Imbro, Mikhail Senkov

Regie: Elsa Kremser, Levin Peter

Kinostart: 29.01.26

2 Bewertungen

White Snail

Misha, Masha und der Tod

Klare Ansage, sichtbares Statement: Quer über die Kehle hat Misha sich den Satz „Noli me tangere“ (Lateinisch für „Rühr mich nicht an“) tätowieren lassen. Misha arbeitet in der Leichenhalle eines Minsker Krankenhauses, und so freundlich-sanft der bärige Kerl ist, so verschlossen und scheu ist er auch. Scheu ist Masha eher nicht, schließlich arbeitet die ätherische Schönheit zielstrebig an ihrer Model-Karriere. Verschlossen aber ist sie gleichwohl – und einsam bis zur Verlorenheit. Nach einem Selbstmordversuch kommt sie ins Krankenhaus und lernt dort Misha kennen.

WHITE SNAIL ist ein kleines Faszinosum der Paradoxien: Ein Nicht-Liebesfilm, der von der Liebe erzählt. Eine mit Kunstmärchenmotiven subtil durchwebte Geschichte im Gewand eines nüchternen sozialen Realismus´, in dem das Morbide als Zärtlichkeit und Todesobsessionen als Lebensstimulans aufscheinen. Und in der diese zwei Menschen, die sich zu lange schon in ein Refugium der Unberührbarkeit flüchteten, auf eine erlösende Berührung hoffen.

Der Tod ist dabei für Misha und Masha ein fester Bezugs- oder Fixpunkt. Misha malt die Verstorbenen, führt eine Art ununterbrochener Zwiesprache mit ihnen. Masha zieht es wieder und wieder in die Leichenhalle; hin zu Misha, aber eben auch zu den Toten. Als wolle sie sich einen Vorgeschmack holen von der ewigen Ruhe, nach der sie sich sehnt. Oder besser: vielleicht sehnt! Denn WHITE SNAIL ist klug genug, derlei Eindeutigkeiten zu unterlassen. Oder zumindest nicht zu bedienen mit einer psychologisch simplifizierenden Lebensüberdruß-Erklärung. Dafür nämlich – noch so ein Paradox – ist der Film dann letztlich doch wieder zu lebensbejahend.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.