Originaltitel: HIVER À SOKCHO

F 2024, 105 min
FSK 12
Verleih: Film Kino Text

Genre: Drama, Liebe, Literaturverfilmung

Darsteller: Bella Kim, Roschdy Zem, Park Mi-Hyeon

Regie: Koya Kamura

Kinostart: 05.02.26

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Winter in Sokcho

Die Sache mit der Seelenverwandtschaft

Sokcho ist eine Stadt im Nordosten Südkoreas, gelegen am Japanischen Meer, in der Nähe des Seoraksan-Nationalparks. In den warmen Monaten ist dank der Touristen einiges Leben in Sokcho. Anders im garstigen Winter. Da herrscht eher ein Zustand der Entleerung und Verlangsamung, wenn nicht des Stillstands; der stoische Rhythmus eines herabgedimmten Daseins. Die Leute gehen dann sparsamer, ruhiger und überlegter um mit ihrer inneren Energie. Mit ihren Gefühlen, Gesten, Worten. Gilt auch für Soo-Ha. Ihren Job in einer kleinen Pension handhabt die 23jährige ebenso wie die Liebesbeziehung zu ihrem Freund oder das Verhältnis zu ihrer Mutter: freundlich, ruhig, bestimmt und ganz wie in sich selbst zurückgezogen. Bis eines Wintertages der Franzose Yan in der Pension Quartier nimmt. Ein berühmter Comic-Künstler auf der Suche nach Inspiration. Ein Typ, um einiges älter als Soo-Ha, aber wie diese ruhig, bestimmt, ganz in sich selbst ruhend.

Es ist eine seltsame Sache mit der sogenannten Seelenverwandtschaft – und WINTER IN SOKCHO schaut auf dieses seltsame Sache mit einem Blick, der selbst jene Ruhe und In-sich-Gekehrtheit atmet, die dieser winterlichen Stadt und den Menschen dieser Geschichte eigen ist. Daß in dieser nun auch ein Drama von Verlust und Sehnsucht mitschwingt, die allzu gedimmten Gefühle bald ihre Rechte einfordern und sich Bahn brechen werden, ändert nichts an der konzentrierten Verhaltenheit mit der der japanisch-französische Drehbuchautor und Regisseur Koya Kamura hier erzählt.

Daß sein Film gelegentlich auch mit animierten Sequenzen, mit comichaft abstrahierenden Illustrationen aufwartet, mag man dabei aus nur einem Grund als ein artifizielles Zuviel empfinden: Weil WINTER IN SOKCHO von derlei Kunstwillen ansonsten gänzlich freibleibt. Sind doch stattdessen jede Szene, jeder Dialog, jedes Bild des Films genau abgestimmt, perfekt temperiert, sich ihrer Gefühle, Gesten, Worte ganz bewußt. Kunstvoll gerade in einer schnörkellosen Klarheit, empathisch in der detailfreudigen Betrachtung, dramatisch im Vermeiden jedweder melodramatischer Aufwallung, erzählt WINTER IN SOKCHO seine Geschichte über Hoffnungen, die sich als Illusionen entpuppen, über das Loslassen und Mit-sich-ins-Reine-kommen.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.

Winter in Sokcho ab heute im Kino in Leipzig