Originaltitel: CAN YOU EVER FORGIVE ME?

USA 2018, 107 min
FSK 0
Verleih: Fox

Genre: Tragikomödie

Darsteller: Melissa McCarthy, Richard E. Grant, Dolly Wells, Jane Curtin, Ben Falcone

Regie: Marielle Heller

Kinostart: 21.02.19

1 Bewertung

Can You Ever Forgive Me?

Porträt der Comedienne als Charaktermimin

1991 verliert Autorin Lee Israel ihren aktuellen Job, hat Schulden beim Tierarzt, die ihrer kranken Katze auf die Pfoten fallen, Lees Agentin glaubt nicht an kommende Erfolge und übt sich daher im Affront – logisch, 10% von nichts generieren halt Nulleinnahmen. Ja, die Frau ist ohne Zweifel fertig, wählt Rückzug, Flucht, offen zur Schau gestellte Misanthropie, eine stinkende, versiffte, Fliegen zum Massengrab taugende Bude und den süßen Klang im Glas scheppernder Eiswürfel, sicher keine Softdrinks kühlend. Alles zur Illustration mit Braunfilter versehen, natürlich nicht hübsch sepia, sondern schmutzig-ungesund. Nun will man der Leinwand gerade entgegenschreien, es – ja doch! – schon längst verstanden zu haben, da erfüllt jener dramatische Überbau kaum mehr eine Funktion, während Lee bemerkt, daß Briefe berühmter, toter Persönlichkeiten ordentlich Geld bringen. Und leicht gefälscht sind …

Der Braunfilter besteht weiter, erzeugt allerdings ab jetzt nostalgische Wärme, und wir schlagen uns derweil gern auf Lees dunkle Seite. Wie funktioniert das bei einer grundsätzlich abstoßenden Figur, welche die ganze Welt für eigenes humanes Versagen zur Verantwortung zieht – weshalb der Hinweis „Als Unbekannte können Sie nicht so ein Miststück sein!“ schlicht die Wahrheit spricht? Was hat diese Lee, um zur Identifikation einzuladen? Richtig: nahezu nix. Außer Melissa McCarthy zur Verkörperung im Rücken. Das gibt allerhand Sympathiepunkte, ihren komödiantischen Fähigkeiten sei Dank, obgleich Wortspiele wie das Titulieren der Dietrich als „altes Sauerkraut“ erst im englischen Sprachgebrauch komplett zünden. Gleichzeitig gereicht ausgerechnet McCarthy der Dame indes zum Pferdefuß.

Korrekt, sie spielt großartig. Und genau hier steckt der Teufel im Detail, die Wiederholung zeigt’s: Sie spielt, macht selten vergessen, wer hinter schrecklichem Haar(teil), ausgesucht scheußlicher Oberbekleidung, hängenden Mundwinkeln steckt, sich redlich bemüht, den Charakter das Kostüm tragen zu lassen – und nicht umgekehrt. Über weite Strecken erfolglos, unter anderem deshalb, weil Lee (zwecks Erinnerung: alkoholabhängig, abgeranzt) oft aussieht, als hätte die Maskenbildnerin kurz noch mal feucht durchgewischt. Letztlich setzen sich so die handlungsbildenden Täuschungen und Kopien im Zuschauerraum fort, verhindern echte emotionale Anteilnahme, obwohl eine eher unmotiviert reingestampfte Ex-Liebe über Beziehungsmauern sinnt oder Lee ein reumütiges Plädoyer hält.

Trotzdem Zeit für ein Kompliment an die Regie: Selbst solche potentiell schnulzigen Momente bleiben analog zum Rest stets unterhaltsam, das titelseitig angefragte Verzeihen fällt deswegen leicht. Relativ schnelles Vergessen des Gesamtwerks aber eben auch.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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