D/Argentinien 2008, 93 min
Verleih: Farbfilm

Genre: Drama, Erwachsenwerden

Darsteller: Rafael Ferro, Erica Rivas, Adrian Goessel, Fabian Busch, Alice Dwyer

Regie: Alejandro Cardenas Amelio

Kinostart: 20.11.08

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Die Tränen meiner Mutter

Buenos Aires trifft Berlin

Angenehme Zeitgenossen sind die Deutschen auf den ersten Blick nicht, und sie sehen aus wie ihre Hunde. So scheint es dem 12jährigen Alex, als er mit seinen Eltern aus Argentinien ankommt, auf der Flucht vor der Diktatur. Seine neuen Mitschüler sind enttäuscht, daß er kein Indio ist, sondern bleich und blond wie sie selbst. Doch sehr bald schon ist Alex richtig angekommen: in Berlin Kreuzberg, 80er Jahre, Fabriketagen-WG, der schönste Spielplatz der Welt, und die spleenigen WG-Mitbewohner sind die Spielkameraden.

Ein Großteil der Handlung spielt sich in dieser Etage ab, und doch birgt sie eine komplette Welt. Eine magische Welt, nicht nur, weil aus der Perspektive eines Kindes geschildert und weil in einer kleinen Hommage an den Stummfilm Nosferatu über die Fabrik-Heimkino-Leinwand huscht. Sondern auch, weil Regisseur Alejandro Cardenas Amelio sich erlaubt, behutsam Elemente in den schnöden deutschen (Film-)Alltag einzubringen, die eher auf südamerikanische Erzähltraditionen verweisen. So entdeckt Alex seine telepathischen Fähigkeiten. Weder die noch die gesammelte Kraft seiner Phantasie sollen ihm allerdings helfen, die schleichende Trennung seiner Eltern aufzuhalten - sie erfolgreiche Journalistin, er erfolgloser Künstler. In der Fremde leben sie sich auseinander.

Das Exil läuft als Subtext durch den Film, während eingestreute Zeitelemente, darunter auch ein fulminantes Fußballfinale Argentinien-Deutschland, ein Porträt der 80er Jahre skizzieren. Und doch, das eigentliche Thema ist das Ende der Kindheit, und was den Film vor allem ausmacht, ist seine schwebende Stimmung, in der die Ereignisse, reale wie nicht reale, mittels leisen Humors und leiser Tragik gehalten werden. Ob die Rahmenhandlung mit einem erwachsenen Alex in Buenos Aires notwendig gewesen wäre, ist eine andere Frage. Immerhin schlägt der Film sehr hübsch die Brücke zwischen den Welten durch einen animierten Kurzstreifen.

Auf der diesjährigen Filmkunstmesse witzelte der Regisseur über den autobiographischen Gehalt des Filmes: Er könne zum Beispiel wirklich Dinge mit seinen Augen bewegen. Groß geflunkert ist das nicht. Nur sind es nicht bloß die Augen, es ist das Kino, das die Dinge bewegt und verzaubert.

[ Lars Meyer ] Im Zweifelsfall mag Lars lieber alte Filme. Seine persönlichen Klassiker: Filme von Jean-Luc Godard, Francois Truffaut, Woody Allen, Billy Wilder, Buster Keaton, Sergio Leone und diverse Western. Und zu den „Neuen“ gehören Filme von Kim Ki-Duk, Paul Thomas Anderson, Laurent Cantet, Ulrich Seidl, überhaupt Österreichisches und Skandinavisches, außerdem Dokfilme, die mit Bildern arbeiten statt mit Kommentaren. Filme zwischen den Genres. Und ganz viel mehr ...

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