D 2009, 99 min
Verleih: Zorro

Genre: Dokumentation

Regie: Sung-Hyung Cho

Kinostart: 26.11.09

1 Bewertung

Endstation der Sehnsüchte

Wenig fesselnde Heimatreflexionen

Vor vier Jahren brachte die Koreanerin Sung-Hyung Cho mit FULL METAL VILLAGE einen Dokumentarfilm in die Kinos, der von der Invasion einer schleswig-holsteinischen Landidylle durch Legionen von Heavy-Metal-Fans erzählte. Sung-Hyung Chos Blick auf das Wacken-Open-Air-Festival mutete an, wie der einer staunenden Ethnologin. Da obwaltete eine Art interessiertes Befremden über diesen inmitten der deutschen Provinz und so einvernehmlich friedlich vonstatten gehenden „Clash der Kulturen.“ Was FULL METAL VILLAGE nicht nur Charme, sondern auch eine gewisse Tiefe gab. Und die Sache sehr kurzweilig gestaltete.

ENDSTATION DER SEHNSÜCHTE setzt erneut auf das Prinzip einer quasi-ethnologischen Erkundung. Porträtiert werden drei Ehepaare und deren skurrile Enklave deutscher Lebensart im fernen Südkorea. Dogil Maeul, das „Deutsche Dorf“, heißt der kleine Ort am Meer, wo es Häuschen mit roten Ziegeldächern, gepflegte Rabatten mit Jägerzäunen und Gardinen an den Fenstern gibt. Und wo ein Lebensmittelladen Vollkornbrot und Bockwurst verkauft. Deutscher als deutsch ist dieser deutsche Ort in Korea, durch den koreanische Touristen strömen wie durch ein pittoreskes Freiluftmuseum, sich mit Gartenzwergen fotografieren und kichernd auf die „Langnasen-Opas“ zeigen. Opas, die Willi, Ludwig und Armin heißen. Deutsche Männer, die ihre koreanischen Frauen in den 70er Jahren in Deutschland kennenlernten. Die heirateten, um schließlich, nach drei Deutschland-Jahrzehnten, gemeinsam nach Korea zu ziehen. Ins Deutsche Dorf.

Es hat etwas von einer Groteske, dieses Leben in einer solchen kulturellen Schieflage. Es ist absurd und nicht frei von Traurigkeit, diese Art identitätsstiftender Maßnahmen, diese mechanisierten Heimatgefühl-Aktivierungen vorgeführt zu bekommen. Sung-Hyung Cho leuchtet das in allen Facetten aus. Betrachtet es, um es noch einmal zu sagen, mit einer Art ethnologischer Ausführlichkeit. Soll heißen: Sung-Hyung Cho schaut sich das lange an. Zu lange.

Das Leben nämlich in Dogil Maeul ist letztlich allzu harmlos. Der Reiz des Befremdens, den die Regisseurin in FULL METAL VILLAGE so schön kultivierte, verblaßt hier schnell ob eines doch ganz alltäglichen Alltags. Was anfänglich noch eine Reflektion über Heimatbilder, Heimatsehnsucht und Heimatgefühl ist, verdünnt im Film, der formal zudem über eine TV-Doku-Ästhetik nicht hinausreicht, zunehmend zum Protokoll einer deutsch-koreanischen Liebesschrulligkeit. Zu wenig, um wirklich zu fesseln.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.

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